Kommentar zur Rede der Bundeskanzlerin: Merkel hat noch nicht fertig

Bei einer Rede hat Bundeskanzlerin Angela Merkel jahrelange Fehler bei der Flüchtlingspolitik eingeräumt. Dazu ein Kommentar von HNA-Korrespondent Hagen Strauß.

Dass Angela Merkel die verlorenen Landtagswahlen, die Kritik an ihrer Flüchtlingspolitik, die Rufe „Merkel muss weg“ nicht kalt gelassen haben, war am Montag bei ihrer Pressekonferenz unüberhörbar. Die sonst so kühle Kanzlerin ist stark ins Nachdenken geraten.

Merkel, so scheint es, hat verstanden. Der Druck auf sie ist zu groß geworden. Nach dem erneuten Debakel in Berlin musste sie jetzt in die Offensive gehen – was zeigt, wie sehr ihre Macht erodiert ist. Auch, weil ihr gut gemeinter Satz „Wir schaffen das“ sich ins Gegenteil verkehrt hatte. Er ist für viele zur Provokation geworden, da die Kanzlerin klare Botschaften darüber hinaus verweigert hat. Merkel hat dies nun einsehen müssen. Besser spät als nie.

Nun könnte man einwenden, sie mache jenen ein Zugeständnis, die zuletzt am lautesten gebrüllt haben, den Rechten. Aber diese Leute werden die ausgestreckte Hand der Kanzlerin auch jetzt nicht annehmen. Andere womöglich doch, und zwar jene, die wegen der Flüchtlingspolitik Vertrauen in die Regierungschefin verloren haben. An diese Menschen hat sich Merkels Nabelschau gerichtet. Prinzip Hoffnung in eigener Sache.

Zugleich ist die Merkel-Rede eine Kampfansage. Von München aus war die CDU-Chefin über Monate bedrängt worden, sich anders zu positionieren. Jetzt hat Horst Seehofer die verbalen Eingeständnisse größtenteils bekommen. Hört er nun auf mit seinen Attacken? Der Ball liegt wieder bei der CSU. Merkel wird nicht aufgeben. Sie hat noch nicht fertig.

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