Kommentar zur Reform des Mordparagrafen: Mord ist nicht gleich Mord

Justizminister Heiko Maas will mit einem Gesetzesentwurf das Strafmaß für Tötungsdelikte reformieren. Dazu ein Kommentar von HNA-Volontärin Jil Frangenberg.

Ein Mord ist eine Straftat, die schwer bestraft werden muss. Wer einem Menschen absichtlich das Leben nimmt, sollte dafür mit seiner Freiheit bezahlen – und das für lange Zeit. Trotzdem: Mord ist nicht gleich Mord. Eine Pauschalbestrafung in Form einer lebenslangen Haftstrafe, so wie sie im deutschen Strafrecht vorgesehen ist, steht oft nicht im Verhältnis zu einer Tat.

Viele Tötungsdelikte sind Beziehungstaten. Zwischen Tätern und Opfern gibt es vor dem Tötungsdelikt oft komplizierte Verstrickungen und Vorfälle. Gerade deshalb sollten in jedem Mordprozess die individuellen Umstände, die zur Tat geführt haben, in Betracht gezogen werden dürfen. Erst dann kann ein Mord wirklich bewertet werden und die Strafe der Schuld des Täters angepasst.

Lebenslänglich – das ist ein Urteil, mit dem einmal Macht gezeigt werden sollte: Mörder leben niemals mehr selbstbestimmt. In vielen Fällen ist dieses Urteil angebracht – in anderen aber nicht.

Eine Reform sollte den Mordparagrafen endlich in die Neuzeit überführen. In dieser wiegen Richter Strafen ab und treffen Entscheidungen; sie ergeben sich nicht automatisch. Der Vorstoß von Justizminister Maas ist überfällig.

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