Kommentar zum TTIP-Abkommen mit den USA: Viel Vertrauen verloren

Niemand weiß, was das Transatlantische Handelsabkommen mit den USA bringt. Und dennoch - oder deswegen? - sind immer mehr Menschen dagegen. Ein Kommentar von HNA-Nachrichtenchef Tibor Pézsa.

Das hat sicher nicht nur mit dem Widerwillen gegen Chlorhühner auf amerikanische Art zu tun und gegen nicht-öffentliche Schiedsgerichte. Die Skepsis der Deutschen sitzt tiefer. Es ist die Sorge, dass das, was international ausgehandelt wird, ihnen schadet, nicht nützt.

Wie kann das sein? Deutschland ist eine der größten Exportnationen der Welt. Doch die Erfahrung zeigt, dass die Vorteile der Globalisierung schnell als selbstverständlich gelten, ihre Nachteile aber verunsichern.

Barack Obama und Angela Merkel können in Hannover noch so viele Küsschen austauschen und Geschäfts-Chancen beschwören: Die kritischen Anfragen von immer mehr Bürgern an ihre Eliten haben ein gefährliches Ausmaß erreicht.

Hat sich die EU nicht weit überdehnt? Warum muss die Euro-Zone in Athen immer wieder gerettet werden? Wem nützt, wem schadet die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank? Die anscheinend unkontrollierte Masseneinwanderung hat schwere Zweifel an der Handlungsfähigkeit der Bundesregierung gesät.

Vieles braut sich hier zusammen. Natürlich gibt es gute Argumente gegen nationale Antworten. Aber wo wird ein Bürger diese Argumente wohl suchen? In Peking? Athen? Brüssel? London? Beim netten US-Präsidenten in Hannover? Oder doch wohl zuerst bei seiner eigenen Regierung? Die aber hat viel Vertrauen verzehrt. Und das rächt sich.

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