Illegale Geschäfte mit Waffenbesitzkarten: Schützen in Hameln vor dem Aus

Schwerer Vorwurf: Verantwortliche des Schützenvereins sollen Dokumente ausgestellt haben, mit denen Interessenten zu Unrecht Waffenbesitzkarten erwerben konnten. Symbolbild: dpa

Hameln. Ein Schützenverein in Hameln steht nach mutmaßlich illegalen Geschäften mit Waffenbesitzkarten vor der Auflösung.

Der Vorstand wolle den Vereinsmitgliedern die Selbstauflösung vorschlagen, sagte der Vorsitzende heute. Der NDR hatte berichtet, dass die rund 440 Mitglieder deswegen zu einer Versammlung einberufen werden sollen.

Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen rund 100 Verdächtige unter anderem wegen Bestechlichkeit und Bestechung. Verantwortliche des Schützenvereins sollen gegen Bezahlung im großen Stil Dokumente ausgestellt haben, mit denen Interessenten zu Unrecht Besitzkarten für großkalibrige Waffen erwerben konnten.

Im Rahmen einer großen Durchsuchungsaktion in mehreren Bundesländern war der Kassenwart und Ehrenvorsitzende des Vereins festgenommen worden. Der 58-Jährige sitze weiter in Untersuchungshaft, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Thomas Klinge.

Zum Stand der Ermittlungen machte er keine konkreten Angaben. „Derzeit werden die sichergestellten Beweismittel ausgewertet.“ Bei den Durchsuchungen von rund 90 Objekten in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Berlin, Bayern und Rheinland-Pfalz waren in der vergangenen Woche auch Waffen beschlagnahmt worden.

Zu den sichergestellten Unterlagen gehörte auch die Liste der rund 440 Mitglieder des Hamelner Schützenvereins. Erst nach Rückgabe durch die Staatsanwaltschaft könnten die Mitglieder zu der Versammlung eingeladen werden, bei der die Auflösung des Clubs beschlossen werden soll, sagte der Vorsitzende. Er selbst und viele andere Mitglieder seien von den Vorwürfen im übrigen völlig überrascht worden.

1000 Euro für Nachweis 

Die Zentralstelle für Korruptionsstraftaten, eine Spezialdienststelle der Staatsanwaltschaft Hannover, hatte nach Angaben der Deister-Weser-Zeitung den Verdacht geäußert, dass viele Mitglieder des Hamelner Schießsportvereins (Eigenwerbung im Internet: „Über 200 Mitglieder - Tendenz steigend!“) nur auf dem Papier Mitglied waren und keine Prüfung abgelegt haben. Stattdessen sollen sie 1000 Euro und auch weitaus höhere vierstellige Summen für den Sachkunde-Nachweis auf den Tisch gelegt haben. (wrk/dpa)

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