Knapp 700 Anzeigen wegen Baurechtsverstößen auf Langeoog – Kreis: Viele Beanstandungen berechtigt

Insel rätselt über Bausünden-Post

Segelboote in Langeoog: Ein Unbekannter hat auf der Nordseeinsel knapp 700 Verstöße gegen Baurecht angezeigt. Foto: dpa

Langeoog. Seit der Internetdienst Google Earth mit Satellitenbildern unsere Welt bis in die letzten Hinterhöfe ausleuchtet, können Behörden Schwarzbauten auch am Computer aufspüren. Auf Langeoog, einer der Ostfriesischen Urlaubsinseln im Wattenmeer, hilft ein bislang Unbekannter noch viel akribischer nach: Beim Landkreis Wittmund stapeln sich knapp 700 anonyme Anzeigen wegen angeblicher Verstöße gegen das Baurecht auf dem knapp 20 Quadratkilometer großen Eiland. Zu schmale oder zu steile Treppen, zu kleine Fenster werden da adressengenau moniert. Mehr als 1500 Seiten aus Briefen ohne Absender stapeln sich auf den Schreibtischen von Werner Hillie, dem Leiter des Kreisbauamtes, und seinen Mitarbeitern. Oft sind es Ausdrucke von Internetanzeigen für Ferienwohnungen, meist ergänzt mit handschriftlichen Notizen.

Sicherheitsfragen

Wer da wen warum anschwärzt, ist bislang unklar. Allerdings räumt Hillie ein, dass in den bislang untersuchten Fällen es zu 90 Prozent tatsächlich Beanstandungen gibt. Zudem erschöpften sich die Anzeigen nicht in kleinkarierter Erbsenzählerei: Es gehe auch um Sicherheitsfragen, Abstände zur Grundstücksgrenze, Brandschutzwände und Rettungswege, sagte der Behördenmann gestern unserer Zeitung. Genau diese Fälle würden nun zuerst geprüft.

Aufgespießt hat der Unbekannte auch Keller und Dachböden, aus denen Gästewohnungen wurden - irgendwann, irgendwie und angeblich an Vorschriften vorbei. Oder Balkone, die da, wo sie zum Sonnen einladen, nicht sein dürften. Rückbau, Abriss? Schlimmstens „wären rund 2500 der 10 000 Gästebetten betroffen“, meldete NDR 1.

So viel Schwarzmalerei lässt sich aus bisherigen Erkenntnissen der Kreisverwaltung in Wittmund nicht belegen. In rund 100 gravierenden Fällen habe man förmliche Verfahren eingeleitet, sagte Hillie gestern. Das heißt: Anhörung der Eigentümer, Suche nach Lösungen. Manches lässt sich heilen, alles nicht: Zu schmale Treppen könne man nicht dulden, Rabatte bei Brandschutz und Rettungswegen verböten sich. Fünf Mann beschäftigt die anonyme Post, vielleicht auf Jahre. Wenn sich die Sache auswachse, zu Gerichtsverfahren etwa, müsse mal über mehr Personal geredet werden, sagt Hillie.

Inselbürgermeister Uwe Garrels findet’s einerseits „blöd, dass einer alles abklappert und anschwärzt“. Geld kaputt, Betten kaputt - solche Befürchtungen könne man jetzt unter Insulanern hier und da hören. Garrels Vermutung: Hinter den Anzeigen steckt jemand, „dem mal auf Langeoog was abgelehnt wurde“. Aber: Ans Baurecht müsse man sich schon aus Versicherungschutzgründen unbedingt halten.

Sind Bausünden nachträglich durch Änderung der Bebauungspläne zu legalisieren? Hat Garrels schon gehört, viel sei so aber nicht zu reparieren. Und für sinnvoll halte er das auch nicht. Die Insel werde nicht größer, 90 Prozent Langeoogs lägen im Nationalpark Wattenmeer und seien für Bebauung tabu. Immer mehr Gästebetten - das sei für Langeoog langfristig sowieso keine Lösung. Er hoffe, „dass das Ganze am Ende der Bewusstseinsbildung dient“, sagt der Inselbürgermeister.

Von Wolfgang Riek

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