Italiens schwächelnde Banken: Gefahr für Europa

Italiens Banken müssen mit vielen Milliarden Euro gestützt werden. Das will die Regierung in Rom notfalls auch gegen die Regeln von EU und Eurozone tun. In der besonders in Italien schwelenden Bankenkrise liegt eine hohe Gefahr für die europäische Währungsgemeinschaft. Ein Kommentar von Tibor Pézsa.

Faule Kredite sind ein Problem vieler Banken. Das gilt besonders in jenen Staaten der Eurozone, die nach Einführung der Gemeinschaftswährung hohe Wohlstandssprünge ungewohnt günstig finanzieren konnten. Doch die Niedrigzinsen spiegelten nicht die eigene Wirtschaftskraft und Vertrauenswürdigkeit, sondern jene der Eurozone insgesamt. Nur: Das fiel beim Verfrühstücken der Zukunft unter den Tisch.

Nun, fünfzehn Jahre weiter, auch eine Finanzkrise und diverse Fälligkeitstermine, ist nicht nur der Schuldenberg insbesondere in Südeuropa riesengroß geworden. Auch die wirtschaftlichen Bedingungen, ihn wieder abzutragen, sind schwieriger denn je.

Der alte Ausweg in dieser Lage, Lira, Pesete & Co. abzuwerten und so das Verhältnis von Geld- und Warenwert wieder für ein Weilchen vorteilhafter zu justieren, ist unter den Bedingungen der Währungsgemeinschaft versperrt.

Die Lage in Italien ist nicht nur deswegen prekär, weil hier wie auch in anderen südeuropäischen Staaten die Risikoaufschläge für frisches Geld schon wieder anziehen. Das italienische Bankensystem ist in viele Institute zersplittert und gilt traditionell als ertragsschwach. In den Bilanzen schlummern zudem überdurchschnittlich viele Anleihen von kriselnden Staaten.

Die Gefahr, dass eine Pleite durch faule Kredite eine Kaskade von weiteren Zusammenbrüchen auslöst, ist groß. Erst um die Jahreswende wäre es fast dazu gekommen. Nur die Einrichtung einer Bad Bank konnte die akuten Probleme beheben. Aber eben nicht die Ursachen.

Irgendwoher braucht Italien also viel frisches Geld oder wenigstens Garantien. Alle wissen, dass es grundsätzlich nur zwei Möglichkeiten gibt: Reformen, die Wachstum und neue Geschäfte ermöglichen oder irgendwen anders, der die Zeche zahlt.

Da Italien, immerhin die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone, die nötigen Reformen nicht hinbekommt, bleibt nur der andere Weg: Mehr Europa, wie manche das so schön nennen. Was damit in Wirklichkeit gemeint ist, weiß aber nicht nur die Mehrheit der Engländer. Nicht ihr Referendum ist die größte Gefahr für das europäische Einigungswerk.

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