Kali-Sanierungskosten: Bund soll mitzahlen

Bodo Ramelow

Merkers/Kassel. Thüringen versucht erneut, den Bund an den immensen Kosten zur Sicherung stillgelegter Kali-Bergwerke zu beteiligen.

Ein Rechtsgutachten solle klären, ob der Bund trotz der Verträge aus den 1990er-Jahren finanziell belangt werden könne, sagte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke). Er informierte sich gestern in der Kali-Grube Merkers: Der Kasseler K+S-Konzern nutzt Merkers als Besucherbergwerk. Hier fahren auch Bergleute ein, die die alte Thüringer Grubenbauten sichern - etwa durch Verfüllung mit Steinsalz.

20 Millionen bis 25 Mio. Euro zahlt Thüringen dafür an K+S pro Jahr - unter Vorbehalt wegen eines Rechtsstreits. Das finanzielle Risiko für den Landesetat in den nächsten Jahrzehnten wird auf 2,9 bis 3,6 Mrd. Euro veranschlagt.

Es stelle sich unter anderem die Frage, „warum der Bund die nasse Grube Springen an K+S gegeben hat“, sagte Ramelow. In Springen werden seit Jahrzehnten Zuflüsse aufgefangen, die Hohlräume aus dem Salz lösen und bei grob einem Kubikmeter alle fünf Minute liegen. Zum Vergleich: Im Atommüllbergwerk Asse werden 12 Kubikmeter pro Tag aufgefangen. Die Springen-Salzlösungen gehen bei Dorndorf in die Werra. K+S versucht seit langem, den Zufluss durch Injektion einer Suspension zu schließen, die im Berg aushärtet.

Hintergrund: Springen -  Abdichtung langfristig nötig

Auf der Suche nach Kalisalzlagerstätten wurden Anfang des 20. Jahrhunderts Probebohrungen im Gebiet von Springen fünf Schächte errichtet und ein Kaliwerk gebaut. Zum Abtransport des Kalisalzes wurde vom Werk Springen eine Drahtseilbahn zum Verladebahnhof in Dorndorf errichtet und 1913 in Betrieb genommen. In Springen befand sich während des Zweiten Weltkriegs ein Außenlager des KZ Buchenwald, in dem Häftlinge in der Schachtanlage arbeiten mussten.

Zwei K+S-Autoren schrieben 2002 im Branchen-Fachblatt "Kali und Steinsalz" über die Zuflüsse im 1990 stillgelegten Bergwerk Springen: „Zur angestrebten trockenen Verwahrung des Grubenfeldes Merkers ist es notwendig, vordringlich die aktiven Salzlösungsvorkommen langfristig abzudichten.“ Schon damals waren in Springen zur Abdichtung 2700 Kubikmeter Magnesiazement in Bohrlöchern eingebracht worden - ohne erwünschtes Ergebnis.

„Im Salz haben sich durch Auflösung große und komplexe Hohlraumsysteme ausgebildet“, beschreibt der Fachbeitrag weiter. Im Zentrum des einen Zutritts „liegt eine Kaverne, deren Rauminhalt 1996 durch eine Vermessung mit 215 000 Kubikmetern bestimmt wurde.“ Standsicherheit für mehr als 100 Jahre sei aber nachgewiesen.

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