Kommentar zum Armenier-Antrag des Bundestages: Ein Symbol, aber wofür?

Trotz türkischen Protests will der Bundestag die Vertreibung der Armenier durch das Osmanische Reich als Völkermord einstufen. Ein Kommentar von HNA-Korrespondent Werner Kolhoff.

Der Bundestag hat prinzipiell alles Recht der Welt, das, was die Türken den Armeniern antaten, als „Völkermord“ zu bezeichnen, so wie es für Anfang Juni geplant ist.

Die Frage ist: Mit welchem Ziel? Zumal es im letzten Jahr beim 100. Jahrestag schon einmal eine Debatte gab, in deren Verlauf nicht nur der Bundestagspräsident, sondern Sprecher aller Fraktionen dieses Wort benutzten. Wenn man außerdem bedenkt, dass bereits das EU-Parlament, der Bundespräsident und der Papst diesen Begriff verwendet haben, könnte man auch zu der Erkenntnis gelangen, dass diesbezüglich inzwischen alles gesagt ist.

Die geplante Resolution wirkt zum gegenwärtigen Zeitpunkt zwanghaft. Man spürt: Hier geht es manchem auch darum, es Staatspräsident Erdogan persönlich zu zeigen. Der leugnet zwar nicht die Toten, wohl aber den Begriff Völkermord. Einige wollen im gleichen Abwasch auch die Bundesregierung vorführen. Denn die steht unter dem Generalverdacht, vor dem türkischen Machthaber wegen der Flüchtlinge zu kuschen.

Es ist eine vertrackte Situation. Und ein schlechter Zeitpunkt für Mahner wie Außenminister Frank-Walter Steinmeier, der auch mal darüber nachdenkt, wie es denn am Tag nach einem solchen symbolischen Triumph weitergeht.

Rubriklistenbild: © k r o h n f o t o . d e

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