Kommentar zu Barroso und Goldman Sachs: Rückkehr durch die Drehtür

José Manuel Barroso, der ehemalige EU-Kommissionspräsident, steht in der Kritik. Er kommt als Lobbyist für die US-Bank Goldman Sachs zur EU zurück. Dazu ein Kommentar von Nachrichtenredakteur Wolfgang Blieffert.

Dass José Manuel Barroso beim Betreten der Brüsseler EU-Zentrale künftig nicht mehr vom Protokolldienst empfangen wird, sondern wie normale Besucher Sicherheitschecks über sich ergeben lassen musss, wird der ehemalige Kommissionspräsident verschmerzen. Auch ist nicht zu erwarten, dass das EU-Ethikkomitee Belastendes in seinem Arbeitsvertrag mit der US-Bank Goldman Sachs finden wird, die Herren sind ja nicht blöd. Nein, juristisch ist Barroso auf der sicheren Seite.

Dennoch ist sein Engagement bei Goldman Sachs in höchstem Maße anstößig. Natürlich hat auch Barroso ein Recht darauf, nach dem Ende seiner Amtszeit und den notwendigen Karenzmonaten Geld zu verdienen, auch viel Geld. Aber muss es ausgerechnet eine Bank sein, die in dem Ruf steht, der griechischen Regierung systematisch geholfen zu haben, vor der EU Schulden zu verschleiern? Was sind jetzt noch Barrosos mahnende Worte in der EuroKrise wert? Erkennt der Mann nicht, dass all seine Bekenntnisse zu Europa wie Leerformeln wirken, wenn er nun die Seiten wechselt?

Barroso hat der Institution, der er einmal vorstand, einen verheerend schlechten Dienst erwiesen. Die gängige Brüsseler Praxis, die EU durch die Drehtür zu verlassen und als Lobbyist wieder hereinzukommen, findet ihre prominenteste Fortsetzung. Barroso untergräbt mit seinem Verhalten das poröse Fundament der EU, das einmal aus Vertrauen und Glaubwürdigkeit bestand.

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