Kommentar zum Behindertengleichstellungsgesetz: An der Barriere 

Viele Behinderte halten das Behindertengleichstellungsgesetz für ungerecht. Ein Kommentar zu dem Gesetz von HNA-Korrespondent Werner Kolhoff.

Der Umgang einer Gesellschaft mit ihren Behinderten ist nicht nur eine sozialpolitische Frage, sondern auch eine moralische. Er zeigt, ob sie eine harte Ellbogengesellschaft der Starken ist, oder ob sie für alle da ist. Auch für die Schwachen.

Schwach sind wir alle mal, spätestens im Alter. Wenn in einem Bürohaus der Lift nur über einen Touchscreen zu bedienen ist, dann wirkt das hypermodern. Für Blinde und Sehschwache ist es das Allerletzte. Und mag eine Location noch so cool erscheinen, wenn man mit dem Rollstuhl nicht hineinkann, dann ist sie nur ein Egoistentreff. Das Behindertengleichstellungsgesetz verbessert einiges, aber in so langsamen Schritten, dass man nur sagen kann: Hier bleibt unsere Gesellschaft deutlich hinter ihren Möglichkeiten zurück.

Die verordnete Barrierefreiheit, baulich und im Internet, gilt nur für die Bundesverwaltungen, indirekt auch für die der Länder. Die gesamte Privatwirtschaft wird ausgespart. Natürlich wäre es wegen der Kosten ökonomisch schwierig, sofortige Änderungen für alle vorzuschreiben. Aber wenigstens eine Verpflichtung zur Selbstverpflichtung wie bei der Frauenquote, wenigstens eine zeitliche Zielvorgabe wäre möglich gewesen.

Eigentlich müsste es selbstverständlich sein, dass jeder, der eine Leistung öffentlich anbietet, diese allen zugänglich macht. Dass Gesetze notwendig sind, um solches Denken durchzusetzen, ist traurig genug. Dass sie jetzt nicht beschlossen werden, wo man sich des Themas doch angenommen hat, ist eine vertane Chance.

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Rubriklistenbild: © k r o h n f o t o . d e

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