Kommentar zum Berlin-Bonn-Gesetz: Überholte Nostalgie

Als der Bundestag vor 25 Jahren beschloss, die Regierung nach Berlin zu verlegen, waren viele Bonner entsetzt. Dazu ein Kommentar von Wolfgang Riek.

Bonn-Anhänger argumentierten mit deutscher Geschichte: Die Stadt am Rhein stehe für den demokratischen Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Berlin-Lager pochte auf die Einlösung der Versprechen, die der Stadt an der Spree seit 1949 durch den Kalten Krieg hinweg immer wieder von der Bonner Politik gemacht wurden. Der Umzug an die Spree siegte hauchdünn, die Republik leistete sich den Luxus, das Hauptstadt-Problem ganz salomonisch sowohl als auch zu lösen.

Mit der Folge, dass sich die Bundesregierung 25 Jahre nach dem Teilumzug nach wie vor einen teuren Doppelsitz gönnt und bei jeder Gelegenheit den Streit darüber, ob derart zu regieren sinnvoll ist.

Nein, ist es natürlich nicht. Es ist kostspieliger, zeitaufwendiger und klimaschädlicher, als es sein müsste. Zudem sind die Versprechen von damals, Bonn nicht ins Leere stürzen zu lassen, mehr als erfüllt, sind Berliner Regierungsneubauten mit Bedacht so bemessen, dass auch Kollegen vom Rhein noch unterkämen.

Warum dann trotzdem keine Regierung die Bonn-Nostalgie für überholt erklärt und beendet? Wahrscheinlich deshalb, weil es aufs Ganze gesehen Wichtigeres zu tun gibt. Ganz sicher deshalb, weil Abgeordnete aus NRW in der SPD und in der CDU im Bundestag die größte Landesgruppe stellen.

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