Kommentar zum deutsch-polnischen Verhältnis: Aller Mühen wert

Vor 25 Jahren wurde der deutsch-polnische Nachbarschaftsvertrag unterzeichnet. Dazu ein Kommentar von HNA-Nachrichtenchef Tibor Pézsa.

Anders als im deutschen Verhältnis zu Frankreich, das deutschen Kindern über Generationen hinweg als angeblicher Erbfeind vorgestellt worden war, gab es nach dem Krieg im deutsch-polnischen Verhältnis zunächst keinen Ruck ins Bessere, keinen Schulterschluss über Schuld und Trümmern.

Zu groß war in Westdeutschland die Konzentration auf sich selbst. Zu groß war auch der Abstand zum östlichen Nachbarn, der nach dem deutsch-sowjetischen Überfall von 1939 und der gewaltsamen Teilung Schauplatz brutaler deutscher und sowjetischer Verbrechen wurde. Nach 1945 wurde Polen jahrzehntelang im real existierenden Sozialismus vieler Chancen beraubt.

Dass das Land 1945 von einer Fremdherrschaft in die andere geriet, von den Sowjets wie ein Spielball auf der Landkarte westwärts verschoben, galt hierzulande vor allem als Zumutung gegenüber den auch schwer betroffenen und vertriebenen Deutschen. Aber das war eben nur die eine Seite derselben Geschichte. Dies sollte bedenken, wer die Empfindlichkeit der Polen in Sachen nationaler Selbstbestimmung und ihr hohes Sicherheitsbedürfnis nicht versteht.

Der Kniefall Willy Brandts in Warschau 1970 bahnte den Weg, den der Vertrag 1991 mit den Polen vollendete. Die Aufgabe von uns Heutigen ist, das so glücklich erreichte gute Verhältnis zu unserem Nachbarn im Osten als ebensolche Kostbarkeit zu schätzen, zu pflegen und zu fördern wie unser Verhältnis zu den Franzosen.

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