Kommentar zu einem unverschleierten Auftreten: Eine Frage des Respekts

Kein Burkini-Verbot an Frankreichs Stränden, aber die dahinterstehende Debatte geht weiter. Dazu ein Kommentar von Nachrichtenredakteur Wolfgang Blieffert.

Liegt es am französischen Prinzip des Laizismus, also der strengen Trennung zwischen Religion und Staat, oder schlicht an der Traumatisierung durch die letzten verheerenden Terroranschläge? Was die Grande Nation in den vergangenen Tagen rund um Burkinis an ihren Stränden aufführte, ist an Kleinkariertheit jedenfalls nicht zu überbieten. Oder steckt mehr dahinter, ist dem Land der demokratische Kompass verlorengegangen?

Auch hier muss natürlich differenziert werden. Frankreichs liberale Öffentlichkeit hat sofort Alarm geschlagen angesichts verwirrter Bürgermeister und aufmarschierender Badeanzug-Polizei. Zu Recht. Denn Schwimmanzüge gefährden heute so wenig die öffentliche Sicherheit, wie die aufkommende FKK-Kultur einst Anstand und Sitte ausgehebelt hat.

Das Oberste Verwaltungsgericht in Paris sah das ebenso, die demokratischen Institutionen der französischen Republik funktionieren also. Wäre die Entscheidung andersherum ausgefallen, hätten sich zudem alle islamistischen Fanatikern dieser Welt vor Freude die Hände gerieben angesichts neuer Propaganda-Munition.

Bei aller Erleicherung, dass das absurde Burkini-Verbot vom Tisch ist: Die dahintersteckende Debatte über den Umgang christlich geprägter Gesellschaften mit Andersdenkenden geht natürlich weiter, in Frankreich wie in Deutschland. Dabei sollte es aber nicht um gesetzlich zu regelnde Kleiderordnungen gehen, sondern um Respekt dem Mitmenschen gegenüber. Dazu gehört freie Religionsausübung, aber ebenso der unverschleierte Umgang von Menschen miteinander. Denn dies zeichnet eine offene Gesellschaft aus. Und nur eine solche ist auch lebenswert.

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