Kommentar zum Ende des 500-Euro-Scheins: Adieu, geliebtes Bargeld

+

Das Ende des 500-Euro-Scheins ist besiegelt. Der Rat der Europäischen Zentralbank entschied, dass die Ausgabe der größten Euro-Banknote gegen Ende 2018 eingestellt wird. Dazu ein Kommentar unseres Berliner Korrespondenten Hagen Strauß.

Das Aus für den 500-Euro-Schein ist in der Tat eine Zäsur. Auch wenn die Politik das abstreitet. Sie weiß schließlich genau: Noch ist der Widerstand groß, noch verbrennt sich jeder kräftig die Finger, wenn er den Versuch unternimmt, den Bürgern ein wichtiges Stück gelebter Freiheit zu nehmen. Beim 500-Euro-Schein hält sich die Aufregung doch nur deshalb in Grenzen, weil ihn kaum jemand mal in seinem Portemonnaie gehabt hat.

Ansonsten gilt: Wenn’s ums Geld geht, reagieren die Deutschen extrem allergisch. Richtig so. Das bekam Finanzminister Wolfgang Schäuble schon Anfang des Jahres zu spüren, als er mit dem Vorschlag einer Obergrenze für Bargeldzahlungen in Höhe von 5000 Euro für Schlagzeilen sorgte. Schon damals kam der Verdacht auf, den Bürgern solle nach und nach das Bargeld entzogen werden. Denn durch die digitale Zahlungsweise haben der Fiskus und andere Behörden die Finanzgeschäfte der Menschen viel besser unter Kontrolle. Überhaupt ist mit der bargeldlosen Zahlung eine fast lückenlose Überwachung möglich. Man denke nur daran, wie oft man in der Woche mit der EC- oder Kreditkarte im Supermarkt einkauft - daraus lassen sich prima Kontrollprofile erstellen.

Vertrauen ist daher gut, Misstrauen in diesem Fall besser. Auch jetzt heißt es zwar wieder, es gehe lediglich um den Kampf gegen kriminelle Machenschaften. Doch der Eindruck verfestigt sich, dass die Bürger in Wahrheit peu à peu ans Bargeldlose gewöhnt werden sollen. Und mit einem ähnlichen Argument könnte man sich irgendwann auch daran machen, den 200-Euro-Schein einzumotten. Dann ist Gefahr im Verzuge, dann heißt es wirklich: Adieu, geliebtes Bargeld.

Lesen Sie dazu auch:

500-Euro-Schein wird abgeschafft - das Ende des Bargelds?

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.