Kommentar zur Entzauberung des Dieselmotors: Abschied mit Anlauf

Wegen der Belastung mit Stickoxiden in der Luft könnte es in großen Städten bald Fahrverbote für Dieselautos geben. Dazu ein Kommentar von Wolfgang Riek.

Der aufgeflogene Megabetrug mit manipulierten Dieselabgas-Werten hat VW-Chef Matthias Müller dieses Eingeständnis erleichtert: Die Selbstzünder sind ein Auslaufmodell, irgendwann ist Weiterentwicklung schade ums Geld. Genau so hat Müller das vor drei Wochen im Interview nicht gesagt, gemeint aber schon.

Der Dieselmotor war lange eine Art heilige Kuh deutscher Autobauer: Irgendwann nagelte er nicht mehr, auch Spritzigkeit wurde ihm antrainiert, der Staat half mit günstigen Steuersätzen beim Tanken. Dumm nur: Soll der Diesel wirklich so sauber sein, wie er das vorgibt, wird’s teuer. Sagt VW-Chef Müller nun auch.

Kein Wunder also, dass die Länder bei so viel Schützenhilfe nun mutig Pflöcke für blaue Plaketten und mehr saubere Luft einrammen, dass Städte laut über Diesel-Fahrverbote sinnieren. Nicht gleich, sondern eventuell 2020, mit Übergangsfristen und Ausnahmeregeln natürlich, wie einst beim großen Feinstaub-Ärger.

Noch hält CSU-Verkehrsminister Alexander Dobrindt gegen, 2017 ist ja Bundestagswahl. NOx-Opfer, Asthmatiker und Allergiker, Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Kranke, müssen also noch ein bisschen warten. So schnell wie der Diesel ist der Umweltschutz noch nicht.

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