Lügen im Lebenslauf der Abgeordneten Petra Hinz: Rückzug, aber sofort

Nachdem die Lebenslügen der SPD-Bundestagabgeordneten aufgeflogen sind, hilft nur eins: das Mandat sofort niederzulegen, kommentiert Tatjana Coerschulte

Juristen unter sich unterscheiden sehr fein, ob einer der ihren beide Staatsexamina hat oder etwa „nur“ das erste. Auch wer beide Prüfungen vorweisen kann, muss sich unter Umständen noch nach der Note fragen lassen. Dass bei einem solchen Standesbewusstsein eine Politikerin über Jahrzehnte als Volljuristin durchgeht, obwohl sie nicht einmal Vollabitur hat, so viel Unverfrorenheit dürfte auch gestandenen Juristen den Mund offenstehen lassen.

Hinter schulischen und akademischen Abschlüssen steht eine Leistung. Wer sie vorweisen kann, dem wird eine bestimmte Kompetenz unterstellt. Warum Petra Hinz glaubte, mit erfundenen Fähigkeiten beeindrucken zu müssen, kann nur sie beantworten. Auf einem anderen Blatt steht, dass es offenbar über gut 30 Jahre niemandem aufgefallen ist, dass ihre Behauptungen nicht stimmen - auch keinen Klassenkameraden, die sie doch hätte haben müssen. Es wirft ein bezeichnendes Licht auf unsere Gesellschaft, dass der schöne Schein allein oftmals reicht.

Ihre Lebenslügen haben Petra Hinz ein hohes Einkommen und Ansehen verschafft, die sie ohne vielleicht nicht hätte. Ob das vor dem Gesetz ein Betrug ist, sollen echte Juristen klären. Sie selbst tat nun das einzige, was ihr in dieser Situation noch übrig blieb: Sie sah den Tatsachen endlich ins Auge und legte ihr Bundestagsmandat nieder.

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