Kommentar zum Flüchtlingstod in Berlin: Eine doppelte Tragödie

Polizisten erschießen in Berlin einen Flüchtling, der offenbar den Missbrauch seiner Tochter durch einen anderen Flüchtling rächen wollte. Dazu ein Kommentar von Nachrichtenredakteur Wolfgang Blieffert.

Was für eine Tragödie. Ein sechsjähriges Flüchtlingskind wird in einer Notunterkunft von einem Mitbewohner offenbar missbraucht, sein aufgebrachter Vater von Polizisten erschossen, als er mit einem Messer auf den Verdächtigen losgeht. Der Asylbewerber, seine Frau und die drei Kinder waren erst wenige Monate in Deutschland, der erhoffte Neuanfang wurde am Dienstagabend zur Katastrophe.

Wie konnte es soweit kommen? Schnelle Antworten verbieten sich, auch wenn sich Berlin bei der Flüchtlingsunterbringung über Monate als überfordert, ja unfähig erwies. Aber die betroffene Unterkunft galt als vorbildlich, Politiker und Prominente wie die Schauspielerin Susan Sarandon schauten sich hier um. Und doch schützen auch solche Orte nicht vor Übergriffen und Missbrauch.

Aber mussten gleich mehrere Polizisten auf einen einzigen mit einem Messer bewaffneten Mann schießen? Wer daraus einen Vorwurf formuliert, übersieht, dass hier offenbar jemand in höchster Erregung Selbstjustiz üben wollte. Die mag in seiner Heimat vorkommen, geht hier aber gar nicht. Und bedacht werden muss, dass solche Situationen meist nicht wie im Lehrbuch für Deeskalation zu lösen sind.

Insofern trifft der Begriff der Tragödie. Hier spitzte sich ein Konflikt fast schicksalhaft zu. Und am Ende gibt es praktisch nur Opfer.

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