Kommentar zur Gasleitung durch die Ostsee: Wo Freundschaft anfängt

Der russische Energieriese Gazprom baut mit westeuropäischen Energiekonzernen die Ostsee-Pipeline Nord Stream aus. Doch das Großprojekt hat nicht nur wirtschaftliche, sondern vor allem politische Gründe. Ein Kommentar von Barbara Will.

Der russische Gazprom-Konzern ist der wohl bestgehasste Freund der Europäischen Union. Der staatlich kontrollierte Riese besitzt gewaltige Gasreserven, ohne die Westeuropa seinen Energiebedarf nicht decken kann. Doch ebenso zuverlässig, wie die Russen liefern, geraten sie mit der EU im Streit um Marktmacht aneinander.

Der russische Gasleitungsbau ist deshalb keine rein wirtschaftliche Frage, sondern ein politisches Instrument. Kremlchef Wladimir Putin ist dabei, einen Coup zu landen: Zwei weitere Stränge der Ostsee-Pipeline Nord Stream würden die Ukraine als Transitland ausmanövrieren und dem Staatshaushalt in Kiew einen schweren Schlag versetzen. Zugleich zeigt Russland mit der Ankündigung, dass es weiter auf eine Zusammenarbeit mit dem Westen setzt. Der Kreml wirbt um neue Freunde – zum Beispiel in Griechenland. Für die Beteiligung an der geplanten Gasleitung Turkish Stream winken Hellas ein russischer Milliardenkredit und Einnahmen aus Transitgebühren – und mit dem Gas gewinnt Moskau Einfluss.

Politisch hat es sich der Kreml mit großen Teilen der EU verscherzt, wirtschaftlich nicht. Große westeuropäische Energiekonzerne wollen beim Nord-Stream-Ausbau dabei sein. Beim Geld fängt die Freundschaft an.

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