Kommentar zur Kanzlerin im Umfragetief: Merkel wird zum Risiko

Angela Merkel ist am Tiefpunkt ihrer elfjährigen Kanzlerschaft angelangt. Das zeigen ihre drastisch sinkenden Popularitätswerte. Ein Kommentar von Werner Kolhoff.

Nicht Merkels humanitäre Haltung in der Flüchtlingsfrage an sich hat sie das Vertrauen gekostet. Jede andere Entscheidung, auch die für Zäune, hätte genauso polarisiert. Aber Merkel hätte das abmildern können, wenn sie nicht nur Empathie für die Flüchtlinge gezeigt hätte, sondern auch für die Probleme vieler Deutscher mit dieser Situation. Daran hat es gemangelt, im Faktischen wie im Symbolischen.

Zweitens steht Merkels bisher so herausragende Fähigkeit in Frage, eine Regierung lautlos und effektiv zu führen. Das freilich haben Horst Seehofer und seine CSU sehr gezielt betrieben, indem sie sich jeder Moderation entzogen. Vor allem aber sind da die äußeren Umstände, zuletzt der gescheiterte Putsch in der Türkei und der Brexit, die Merkel praktisch den Teppich unter den Füßen ihres Erfolges weggezogen haben. Es sind so viele Einschläge, dass auch sie den Deutschen das Gefühl von Sicherheit nicht mehr vermitteln kann.

Eine Besserung ist an keiner dieser Fronten zu erwarten, im Gegenteil. Deshalb werden auch die Zustimmungswerte nicht wieder besser werden. Die CDU-Chefin muss sich überlegen, ob sie unter diesen Umständen 2017 noch einmal als Kanzlerkandidatin antreten will. Noch hat sie sich nicht festgelegt. Ihr droht früher oder später ein politisches Ende wie Helmut Kohl, dessen die Bevölkerung irgendwann so überdrüssig war, dass die CDU die Macht auf Jahre verlor. Auch ihre Partei muss sich deshalb überlegen, ob sie dieses Risiko eingehen will.

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