Kommentar zur Lage im Norden Syriens: Ein Kessel Interessen

Die Türkei geht militärisch gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat in Syrien vor. Ein Kommentar von Nachrichtenredakteur Jörg S. Carl.

Im Kampf gegen den IS gibt es keine guten Entscheidungen, bei jeder Alternative drohen Leid und Niederlage. Lässt man die Terrormiliz abwartend gewähren, trägt sie ihren Bombenterror in die Städte, nicht nur in syrische. Bekämpft man den IS auf seinem Territorium, schwärmen seine Ideologen von der finalen Schlacht, in die man die Feinde getrieben habe. Schon das empfinden Dschihadisten als einen Sieg. Und jede Schlacht am Euphrat erhöht das Risiko rachelüsternen Terrors in allen Städten weltweit.

Weltweit - in diesem Wort liegt die einzige Chance, den IS irgendwann doch besiegen zu können: Wer sich die ganze Welt zu Feinden macht, muss am Ende verlieren. Die Türkei hat sich jetzt zum Krieg auf dem Territorium der Terrormiliz entschieden. Alle anderen Beteiligten halten vorerst still, denn der gemeinsame Feind IS hat eine strategische Partnerschaft auf Zeit begründet. Dieses Zweckbündnis führt zu einer bizarren Gemengelage. Im Kriegskessel wabern widersprüchliche Interessen.

Den USA etwa ist bewusst, dass ihr Nato-Partner Türkei die Offensive auch gegen die Kurden in Nordsyrien führt, um die Keimzelle für einen Kurdenstaat an seiner Grenze zu verhindern. Doch auch die Kurden sind Verbündete Washingtons - im Kampf gegen das Assad-Regime. Folglich setzen US-Militärs alles daran, eine direkte Konfrontation von türkischer Armee und kurdischen Einheiten im Kampf gegen den IS zu verhindern.

Auch Russland lässt türkische Panzer zunächst gewähren, weil der Kreml mit Blick auf seinen Verbündeten, das Assad-Regime, zweierlei hofft. Erstens: Der IS könnte nachhaltig geschwächt werden. Zweitens: Die Kurden sollen nicht zum gefährlichsten Gegner Assads heranwachsen. Denn der Erhalt des Staates Syrien wird vor allem von ihrer Machtfülle und der Größe ihres Einflussraumes abhängen. Deshalb hat Moskau nichts gegen das Ziel Ankaras, die Kurden so klein wie möglich zu halten.

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