Kommentar zum Machtkampf in der Türkei: Der Kaiser ist nackt

Der türkische Ministerpräsident Davutoglu war der Architekt des Flüchtlingspakts mit der EU. Nach dessen Rücktrittsankündigung macht Staatschef Erdogan Front gegen Brüssel. Ein Kommentar von HNA-Nachrichtenchef Tibor Pézsa.

Im Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ entlarvt ein Kind die Maskerade des Kaisers, der nicht wahrhaben will, dass seine von einem Betrüger gekauften Kleider in Wirklichkeit gar nicht existieren. Der buckelnde Hofstaat lässt das peinliche Treiben laufen. Erst ein Kind ruft, was alle sehen: „Der Kaiser ist nackt!“

So ist es jetzt auch mit der Türkei-Politik der EU. Die EU ist der Hofstaat ohne Mut zur Wahrheit: Der Pakt mit Ankara hängt ab von der Tagesform des türkischen Präsidenten ab.

Der Kaiser, das ist Erdogan. Er will den Umbau der Türkei in ein autoritäres, am Ende vielleicht sogar familiär geführtes Präsidialsystem. Die von der EU geforderte Aufhebung der sogenannten Antiterrorgesetze aber würde auf einen Schlag tausende Prozesse gegen Erdogan-Kritiker als pure Willkür entlarven.

Nur weil die EU keine Kraft zu einer eigenständigen Flüchtlingspolitik hat, kann Erdogan sein Spiel fortführen. Dabei sieht jedes Kind: Der Kaiser ist nackt. Und sein Hofstaat ist es auch.

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