Kommentar zu Obamas Außenpolitik: Die Erwartungen waren zu groß

Letzter Auftritt von Barack Obama vor den UN: Dazu ein Kommentar von Nachrichtenredakteur Wolfgang Blieffert.

Die zu Ende gehende Regierungszeit Barack Obamas trägt tragische Züge. Denn die Bilanz, die jetzt gezogen wird, fällt so kritisch aus, weil die Hoffnungen, mit denen der US-Präsident gestartet war, so übergroß waren. Zum Teil wurden sie von ihm selbst im Wahlkampf geweckt, zum Teil wurden in seine Person aber auch Erwartungen projiziert, die auch bei weniger schwierigen Bedingungen kaum erfüllt werden konnten.

Als Obama gestern in New York eine Art außenpolitisches Vermächtnis präsentierte, wurde das noch einmal klar. Vor sieben Jahren hatte sein Auftritt etwas Verheißungsvolles, er war das schlichte Versprechen einer friedlichen Zukunft in einer besseren Welt. Obama wollte so ganz anders Außenpolitik betreiben als sein Vorgänger George W. Bush, der mit Hilfe von Lügen und Täuschungen Krieg führte und an dessen moralisch-ethischem Wertegerüst man erheblich Zweifel haben konnte. Als Obama dann Ende 2009 auch noch den Friedensnobelpreis erhielt, quasi ein Preis auf Vorschuss, konnten die weltweiten Hoffnungen eigentlich nur noch enttäuscht werden.

Dabei fällt seine Bilanz bei nüchterner Betrachtungsweise gar nicht so schlecht aus: Er erzielte ein Atomabkommen mit dem Uralt-Feind Iran, er entspannte das Verhältnis zu Kuba, und er zog US-Truppen aus dem Irak und Afghanistan ab. Obama war ein Präsident, der - trotz Ausweitung des Drohnenkrieges - letztlich militärisch zurückhaltend blieb, der nur eingriff, wenn die internationale Gemeinschaft dahinterstand, so, wie diese das immer gefordert hatte.

Das hat ihm im eigenen Land Kritik eingebracht, er verteidige die Werte der freien Welt nur halbherzig. Aber auch die Verbündeten vermissen nun auf einmal die Führungsrolle der USA.

Dass Obamas Außenpolitik vielleicht doch besser war als ihr Ruf, liesse sich schnell beweisen. Dann nämlich, wenn sein Nachfolger Donald Trump hieße. Aber diesen Beweis braucht in Wirklichkeit niemand.

Schlagworte zu diesem Artikel

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.