Kommentar zum Ringen um Glyphosat: Voller Widersprüche

Glyphosat wurde nicht gestoppt. Die Uneinigkeit der Mitgliedstaaten dürfte kaum mehr als ein Stolperstein auf dem Weg zu einer weiteren Zulassung des Pflanzenschutzmittels sein. Ein Kommentar von HNA-Korrespondent Detlef Drewes.

Nüchtern rechtlich betrachtet, kann die Brüsseler EU-Kommission jedes Votum aus den Regierungshauptstädten übergehen. Das wäre zweifellos politisch wenig konstruktiv. Aber es macht zumindest klar, wie die Kritiker, die jetzt jubeln, die Realität entstellen. Denn das, was gestern in Brüssel nicht passierte, beseitigt die Schlacht der unterschiedlichen Studien nicht: Dass im Urin von Kindern in NRW Spuren von Glyphosat gefunden wurde, sagt so lange nichts, bis wissenschaftlich eine Gesundheitsgefährdung nachgewiesen wurde – oder eben nicht. Bisher gibt es mehr Institute, die Risiken bezweifeln.

 Doch die Frage bleibt, ob man auf einer derart wackeligen Basis voller Widersprüche tatsächlich Politik machen kann. Es ist richtig, dass in der europäischen Umweltgesetzgebung das Vorsorgeprinzip gilt: Demnach müssen krebserregende Chemikalien verboten werden. Ob dies auch für Glyphosat gilt, müssen Experten belegen. Bis dahin aber würde man sich wünschen, dass die EU zumindest einen stärkeren Einsatz von Alternativen vorschreibt, um Pflanzenschutz und Gesundheit so weit wie möglich zusammenzubringen.

Man könnte die Chance der geplatzten Abstimmung jetzt wenigstens dazu nutzen, eventuell doch vorhandene Risiken so weit wie eben möglich zu minimieren. Zumindest so lange, bis weitere, verlässliche Untersuchungen vorliegen. Damit wäre den Landwirten geholfen, den Bürgern aber auch.

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