Kommentar zur Sprache von Politikern: Unscharfe Linien

Politiker sind in ihren Aussagen oft schwammig und nichtssagend. Wer im Unklaren bleibt, muss weniger den Kopf hinhalten. Ein Kommentar von HNA-Redakteur Peter Klebe.

Politikern wird gern vorgeworfen, nur an ihre eigene Karriere oder Wiederwahl zu denken, die Probleme der Bürger nicht richtig zu erkennen oder zu wenig Sachverstand zu haben. Diese Kritik ist meistens unberechtigt. Einer der Gründe für das Missfallen ist zweifellos die Sprache, derer sich Minister und Abgeordnete gern bedienen. Sätze wie: „Es gilt die Herausforderungen zu meistern“ oder: „Eine tragfähige Lösung ist das Gebot der Stunde“ helfen dem Wähler und mündigen Staatsbürger wenig.

Wer sich öffentlich äußert, steht unter ständiger Beobachtung auch durch soziale Netzwerke. Das Risiko, dass verbale Entgleisungen zu Endlosschleifen im Internet werden, ist groß. Das ist aber kein Grund, nur in Allgemeinplätzen ohne Aussagewert zu verharren. Hinzu kommen immer unschärfere Trennlinien zwischen den Parteien und Blöcken. In Zeiten, in denen Bündnisse geschmiedet werden, die noch vor Jahren undenkbar waren, traut sich niemand, verbrannte Erde zu hinterlassen. Politische Leidenschaft sieht anders aus.

Aber Vorsicht: Unverschämtheiten, mit denen sich Parlamentarier von gestern attackierten, mögen einen Schmunzelfaktor haben. Zur Sache tragen sie nichts bei und zur politischen Kultur schon gar nicht. Politiker haben auch eine Vorbildfunktion für den respektvollen Umgang mit dem Gegner. Frotzeleien werden bevorzugt, wenn Fakten fehlen. Deshalb: Konsequent in der Sache ist besser als weichgespült, Kompetenz zu vermitteln wichtiger als Worthülsen zu produzieren. Die Balance zu finden, kann die Politikverdrossenheit mindern. Zweifellos eine schwere Aufgabe. Unlösbar ist sie aber nicht.

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