Kommentar zum Stress unserer Studenten: Ohne Freiräume

Leistungsdruck, Angst vor Überforderung, Sorge um die Zukunft: Die Mehrzahl der Studenten in Deutschland fühlt sich gestresst. Dazu ein Kommentar von Ullrich Riedler.

Also lasst uns fröhlich sein“, hieß es im Deutschen Kommersbuch aus dem frühen 20. Jahrhundert. Später bestimmten „Ho, Ho, Ho Chi Minh“ rufende Protestler das öffentliche Bild des Studenten. Die Zeiten haben sich gewandelt: Im 21. Jahrhundert fühlt sich jeder zweite deutsche Studierende auf einem Stresslevel, das höher ist als in der Privatwirtschaft.

Jammerstudis? Natürlich nicht. Noch nie war das Studium so verschult und in einem solch eng gerasterten Gitter aus Vorgaben gegossen wie seit der Bologna-Reform. Kritiker geißeln schon lange den Vorrang der Ökonomisierung, die geringen Möglichkeiten geistigen Abenteurertums an unseren Hochschulen. Hinzu kommt der Zeitaufwand, eine günstige Wohnung zu finden – gerade in Großstädten ein konstantes Ärgernis für angehende Akademiker.

Hier kann die öffentliche Hand viel zur Entlastung tun. Und Universitäten wie in Kassel, die Wert auf Betreuung legen, tragen dazu bei, dass sich Studierende kaum verzetteln oder in Prüfungsängsten erstarren müssen. Aber auch das sollte zählen: Wer sich den Entschluss zum Studium wohl überlegt, hat nirgendwo in Europa solche Aussichten auf eine gut bezahlte Stelle wie in Deutschland. Dieses Wissen sollte das Stresslevel merklich senken.

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