Kommentar: Tibor Pézsa über die Fastenzeit

Am Mittwoch hat die Fastenzeit begonnen. Viele Menschen fasten aus religiösen Gründen bis Ostern, aber das Ritual ist nicht nur mit dem Glauben verbunden.

Eine Zeit lang keinen Alkohol, keine Süßigkeiten und kein Fernsehen - in der vorösterlichen Fastenzeit dürfte der Verzicht auf diese drei am gängigsten sein. Man muss nicht religiös sein, um einen Sinn in vernünftiger Ernährung zu erkennen. Und man muss nur genug Fernsehen geschaut haben, um zu wissen, dass man sich besser beschäftigen kann.

Unserer religiös unmusikalisch gewordenen Zeit reichen solche Beweggründe für das Fasten völlig aus - sofern man sich überhaupt dazu entschließt. Wir nehmen die christlichen Feiertage zwar gerne hin, manche aber erleben den damit verbundenen Sinn offenbar als eine Art von Freiheitsberaubung.

Das ist natürlich voll daneben, bietet doch die Fastenzeit das Gegenteil von Zwang. Nämlich die Chance auf Besinnung, auf Überprüfung von Routinen, ja vielleicht sogar auf Befreiung und Neuanfang. Man mag einwenden: Dafür reicht ja wohl Silvester mit seinen Vorsätzen. Doch den Unterschied machen die 40 Tage: Was ich 40 Tage schaffe, das schaffe ich immer.

Einfach mal sich selbst anders erleben, anders auf die Welt schauen, auch wenn es nur eine Kleinigkeit ist: sich selbst die Chance zu Neuem, zu Besserem geben. Wer Fasten als Zwang versteht, hat nichts begriffen. tpa@hna.de 

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