Kommentar zur Türkei: Eklatanter Widerspruch

Offensichtlich weiß man in Berlin Dinge über die Türkei, die bislang aus Staatsraison verschwiegen wurden. Ein Kommentar von HNA-Redakteur Jörg S. Carl.

Die Extra-3-Liedzeile zum türkischen Präsidenten drängt sich auf. „Erdo-wie, Erdo-wo, Erdogan.“ Wie hat es der Staatschef geschafft, sein Land zu islamisieren und dennoch als EU-Beitrittskandidat zu gelten? Ganz einfach. Der Westen brauchte ihn als lange Zeit zugängliche Brücke in die islamische Welt, als Nato-Mitglied und schließlich als Helfer an der Flüchtlingsverhinderungsfront. An diesen Interessen wird sich vermutlich trotz nun hüben und drüben neu aufschäumender Wut und diplomatischer Verbalverrenkungen nichts ändern.

Erdo-wo. Wo hat dieser Taktiker der Macht den islamistischen Extremismus gefördert? Ganz einfach. Dort, wo es ihm nützte. Gegen das Assad-Regime in Syrien; gegen die kurdischen Bestrebungen nach Unabhängigkeit; gegen Israel im Sinne der islamistischen Glaubensbrüder in den Palästinensergebieten und in Ägypten.

Natürlich weiß man dies alles im Kanzleramt, Außen- sowie Innenministerium. Man spricht und schreibt intern darüber – wahrheitsgemäß. Realpolitik impliziert allerdings meist, die Wahrheit nach außen hin zu verbiegen – „aus Gründen des Staatswohls“. Dumm nur, wenn das auf so alarmierende Weise wie jetzt auffliegt. Wie die Kanzlerin zum Beispiel den Flüchtlingspakt auf Dauer rechtfertigen will mit einem Land, das beim BND offensichtlich als Terrorplattform gilt, darauf darf man sehr gespannt sein.

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