Kommentar zum Flüchtlingslager Idomeni: Unfähige Staaten

Am Dienstag haben die Flüchtlinge und Migranten von Idomeni angesichts eines gewaltigen Aufgebots der griechischen Polizei begonnen, in staatliche Flüchtlingslager umzuziehen. Ein Kommentar von unserem Berlin-Korrespondeten Werner Kolhoff.

Der Stand der Humanität lässt sich am Umgang mit den Flüchtlingen ermessen. Und da sieht es schlecht aus. Es reicht in vielen Ländern noch zur Erstversorgung mit Wasser und Brot. Es reicht noch zur Lebensrettung, etwa auf dem Mittelmeer. Es reicht nicht mehr zur dauerhaften Aufnahme. Niemand will die Flüchtlinge haben. Gerade räumt Griechenland das Lager Idomeni.

Natürlich muss sich jede Nation vor Überforderung schützen. Aber so weit ist keines der reichen Länder der Welt. Es findet bei ihnen eine enorme gedankliche Verdrängung statt: Man vergisst, dass man selbst genauso betroffen sein könnte, und sei es durch eine Naturkatastrophe. Und gibt den Verzweifelten selbst die Schuld an ihrer Lage. Schuld ist aber in Wirklichkeit auch die Unfähigkeit der entwickelten Staaten, Mechanismen und Organisationen zu schaffen, die Konflikte lösen können. Stattdessen liefern sie Waffen. Schuld ist auch der ökologische und ökonomische Raubbau, der von den Industrienationen in den Entwicklungsländern betrieben oder angetrieben wird.

In Istanbul hat eine Nothilfekonferenz stattgefunden. Sie hat gezeigt, dass es eine internationale Verantwortung für die Flüchtlinge gibt. Die 60 Millionen Flüchtlinge weltweit sind noch überwiegend Bürgerkriegs- und Armutsflüchtlinge. Die Flüchtlinge des großen Klimawandels werden bald dazukommen. Und sie werden all das CO2 nicht selbst ausgestoßen haben.

Rubriklistenbild: © k r o h n f o t o . d e

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