Kommentar zum Verhältnis von CDU und CSU: Münchener Möchtegern-Ronaldos

Misstrauen und Frust herrschen zwischen CDU und CSU. Dazu ein Kommentar von HNA-Korrespondent Werner Kolhoff.

In der Auseinandersetzung mit der CSU sagt Angela Merkel, dass es nicht abstrakt darum gehen kann, eine Partei rechts von sich zu verhindern, sondern dass die Union sich und ihren Werten treu bleiben muss. Rechte Wähler gewinnen, ja. Aber nicht um jeden Preis. Ja, was denn sonst?

An drei Punkten bahnt sich der Bruch an. Die CSU ist in der Flüchtlingsfrage sehr schnell über den Rubikon der Forderung nach Grenzschließungen gegangen. Das war extrem illoyal gegenüber der eigenen Kanzlerin. Sie ist in der Familienpolitik konservativ, mittelfristig zum eigenen Schaden. Und sie spielt verbal mit der Ablehnung Europas. Beim Islam zündeln die Christsozialen zwar ebenfalls, das aber im Wesentlichen nur an Aschermittwoch. Sind diese Unterschiede die Trennung der Schwestern tatsächlich wert, zumal die Flüchtlingsfrage sich in ihrer Bedeutung wieder abschwächt?

Die CSU muss wissen, wo sie es hintreiben will. Sie könnte die Fraktionsgemeinschaft in Berlin aufkündigen und bundesweit antreten. Dann würde sie der AfD wohl tatsächlich Konkurrenz machen. Vor dieser bundesweiten Verantwortung aber scheut die CSU zurück, und zeigt damit, dass sie in Wahrheit doch bloß eine Regionalpartei ist mit entsprechendem Horizont, Personal und Anspruch. Außerdem hat sie Angst vor der dann folgenden Konkurrenz der CDU im eigenen Land.

Die Münchener pumpen sich auf wie Ronaldo vor dem Elfer. Würde der nicht schießen und treffen, sondern in entscheidender Situation doch lieber andere machen lassen, wäre er eine Witzfigur.

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