Kommentar zu den VW-Recherchen von WDR und NDR: Blick in den Abgrund

Die internen Untersuchungen zum VW-Abgasskandal sprechen den damaligen Vorstand zwar von einer Schuld vorerst frei. Unterhalb der Vorstandsebene gelten aber fast alle Führungskräfte, die in die Entwicklung des Motors eingebunden waren, als belastet. Ein Kommentar von HNA-Nachrichtenchef Tibor Pézsa.

Wenn es stimmt, was jetzt über das Zwischenergebnis der internen Untersuchung des VW-Abgas-Skandals durchsickert, dann lässt sich die These von wenigen Übeltätern nicht mehr halten. Dann stimmte bei VW die Unternehmenskultur hinten und vorne nicht, dann hat eine ganze Abteilung, angeführt von Top-Managern, jahrelang am großen Betrug mitgewirkt. Wie erschütternd das ganze Bild ist, das sich jetzt langsam herausschält - darauf lässt allein schon die Dauer der immer noch nicht abgeschlossenen Aufklärung unter Regie des neuen Vorstandsvorsitzenden schließen.

Denn Fehler und Versagen kommen vor. Dann aber lassen sie sich am besten heilen, wenn sie schnell und vollständig eingestanden und transparent aufgearbeitet werden. Jeder Tag nach Bekanntwerden eines solchen Skandals, an dem dies nicht oder nur teilweise geschieht, schwindet der Rest des beschädigten Vertrauens weiter gegen Null. Dass die neue VW-Führung diesen katastrophalen Effekt sehenden Auges hinnahm und hinnimmt, lässt ahnen, wie grauenhaft die Alternative zum fortschreitenden Vertrauensschwund ist: nämlich die ganze Wahrheit.

Die aber bahnt sich nun durch alle Ritzen ihren Weg. VW hat den Skandal immer noch nicht im Griff. Es ist genau umgekehrt.

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Recherchen von NDR und WDR: Jetzt ist die zweite VW-Reihe im Visier

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