Kommentar zum Zwist in der AfD-Fraktion im Stuttgarter Landtag: AfD zerlegt sich

Konsequent, wenn auch viel zu spät, hat der bisherige baden-württembergische AfD-Fraktionschef Meuthen auf die unsäglichen Vorgänge in seiner Fraktion reagiert. Ein Kommentar von Hagen Strauß.

Die Sache mit dem Gutachter, der antisemitische Ausfälle von Meuthens Parteifreund Gedeon noch einmal unter die Lupe nehmen sollte, war schon absurd genug.

Jetzt hat sich gezeigt, wie verbreitet das Gedankengut in der AfD-Fraktion ist. Zu viel für Meuthen, deswegen der Austritt mit zwölf anderen Abgeordneten. Allerdings ist dies kein „Reinigungsprozess“, wie Meuthen meint. Sondern ein Zerfallsprozess.

Geschichte wiederholt sich. Mit der AfD im baden-württembergischen Landtag zerlegt sich die nächste rechte Partei, beginnend in den Ländern. In Sachsen-Anhalt glänzt die Alternative mit Flügelkämpfen, im Saarland steht der Landesverband in Verruf, Kontakte zur rechten Szene zu unterhalten. Stuttgart wiegt für die AfD besonders schwer. Denn in keinem anderen Land ist es der AfD bislang gelungen, ins bürgerliche Lager vorzudringen.

Meuthen ist zudem neben Frauke Petry Sprecher der Bundespartei. Der Machtkampf, den beide führen, dürfte nun noch härter werden. Vor allem aber zeigen die Ereignisse, wie wenig die AfD über ihr eigenes Personal im Vorfeld weiß – und wenn doch, wie sehr sie in Wahrheit ignoriert, wer da mit zwielichtiger Gesinnung für führende Funktionen bereitsteht.

Die Lehre von Stuttgart ist deshalb auch, genau hinzuschauen und genau hinzuhören, wer sich hinter dem Deckmäntelchen einer vermeintlich demokratischen Partei verbirgt. Kurzum: Wem man seine Stimme gibt, und wem besser nicht.

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