Ergebnisse erst am Dienstag

Stavo-Wahl: Kassel bricht Auszählung kurz vor Ende ab

Kopfschütteln über das Vorgehen bei der Auszählung der Stimmen: Kurz bevor das für Montag angekündigte vorläufige Endergebnis hätte feststehen können, brach die Stadt gegen 16.45 Uhr die Auszählungen ab.

In eigener Sache

Eine Diskussion über die Entscheidung der Stadt ist angebracht und das Thema richtig gesetzt. Unsere ursprüngliche Formulierung "Skandal" ist im Zusammenhang jedoch überzogen und falsch gewählt. Wir bitten, das zu entschuldigen und haben sie in diesem Artikel eingangs ersetzt durch "Kopfschütteln über das Vorgehen".

Jens Nähler, HNA.de

Begründung: Die auszählenden Mitarbeiter hätten jetzt Feierabend und müssten nach Hause. Auszuzählen waren da noch genau drei von 200 Wahlbezirken. Gegen 16 Uhr veröffentlichte die Stadt das Ergebnis nach Auszählung von 196 Wahlbezirken (98 Prozent) und informierte kurz darauf, dass die restlichen Bezirke am Dienstag ausgezählt werden. Damit ist das Ergebnis nach wie vor vorläufig. Danach hat Rot-Grün mit nur 34 der 71 Sitze in der Stadtverordnetenversammlung in Kassel keine Mehrheit mehr. Die SPD kommt auf 21 Sitze, die Grünen auf 13. Die CDU erhält 15 Sitze. So würde es zu einer großen Koalition mit hauchdünner Mehrheit von 36 Sitzen reichen. Bei Auszählung der Stimmzettel, auf denen kumuliert und panaschiert wurde, bestätigte sich das Trendergebnis der AfD: Die Partei kommt aus dem Stand auf knapp elf Prozent und acht Sitze. Das Trendergebnis sah 12,2 Prozent und neun Sitze vor.

Ein Debakel bahnt sich für die SPD an: Sie fährt mit 29,5 Prozent ihr schlechtestes Kommunalwahlergebnis nach dem Krieg ein.

Insgesamt hat die bisherige Auszählung jener Stimmzettel, auf denen kumuliert oder panaschiert wurde, nur geringfügige Veränderungen gegenüber dem Trendergebnis gebracht. Mit gravierenden Änderungen ist demnach auch durch die für Dienstag geplante Auszählung der drei verbliebenen Wahlbezirke nicht zu rechnen.

In Kassel ist der Posten des Bürgermeisters nicht besetzt. Bei einer Großen Koalition könnte ihn CDU-Fraktionschef Norbert Wett übernehmen und im Magistrat auch für das Verkehrsdezernat zuständig werden. Stadtrat Christof Nolda (Grüne) behielte den Baubereich. Vorteil: Noldas umstrittene Verkehrspolitik würde sozusagen beruhigt. Loswerden könnte man die beiden grünen Dezernten nicht. Schulstadträtin Anne Janz wurde gerade gewählt, Noldas Amtszeit läuft 2017 aus. Ihn jetzt nach Hause zu schicken, würde für die Stadt teuer.

2002 gab es Schlagzeilen

Im Jahr 2002 machte Kassel bundesweit Schlagzeilen, als ganz Deutschland auf Ergebnisse der Bundestagswahl warten musste. Damals kamen viel zu wenig Wahlhelfer zum Dienst - und davon gingen 25 auch noch frühzeitig nach Hause (PDF-Dokument der damaligen HNA-Titelseite). Erst am Montagmittag stand deswegen damals das vorläufige Endergebnis fest. Als Stadt der Deppen und Drückeberger ging Kassel seitdem durch die deutschen Medien. Damals stand ein Wahlvorstand im Fokus, den die HNA im Nachhinein interviewte (zur PDF).

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