Fragen und Antworten

Krankenstand erreicht Rekord

Hamburg. Seit Januar 2016 meldeten sich so viele Berufstätige krank wie zuletzt in den 90er-Jahren. Wir liefern Fragen und die Antworten zum Thema.

Die Krankschreibungen in Deutschland haben im ersten Halbjahr 2016 den höchsten Stand seit rund 20 Jahren erreicht. In den ersten sechs Monaten des Jahres betrug der Krankenstand 4,4 Prozent, wie die gesetzliche Krankenkasse DAK gestern berichtete. So hoch lag der Krankenstand zuletzt in den 1990er-Jahren; 1995 lag er sogar über fünf Prozent. Fragen und Antworten:

Bedeutet der hohe Krankenstand, dass mehr Menschen in Deutschland krank geworden sind?

Nein, er bedeutet, dass sich mehr berufstätige Menschen an ihrem Arbeitsplatz krank melden. Der Krankenstand bezeichnet die Zahl der Arbeitnehmer, die in einem bestimmten Zeitraum bei einem Arbeitgeber krankgemeldet sind.

Was soll man sich unter 4,4 Prozent vorstellen - wie viele Berufstätige waren krank?

Mehr als jeder dritte Berufstätige (37 Prozent) wurde nach der Analyse der DAK in den ersten sechs Monaten dieses Jahres mindestens einmal krankgeschrieben. Im Schnitt dauerte eine Erkrankung 12,3 Tage, im Vorjahreszeitraum waren es 11,7 Tage.

Gab es eine Grippewelle oder warum stiegen die Krankheitstage an?

Hintergrund sind vor allem mehr Fehltage wegen psychischer Leiden und Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen. Bei diesen Diagnosen stieg die Zahl der Fehltage um je 13 Prozent. Erst danach folgen Krankheiten des Atmungssystems mit 17 Prozent Anteil am Gesamtkrankenstand. Anfang 2015 hatten Husten, Schnupfen und Heiserkeit noch einen Anteil von 20,4 Prozent am Krankenstand.

Steigt die Zahl der Krankentage bundesweit überall gleich an?

Nein, in Ostdeutschland ist der Anstieg höher. Berufstätige in den östlichen Bundesländern waren laut DAK mit einem Krankenstand von 5,5 Prozent häufiger und länger krankgeschrieben als im Vorjahreszeitraum (5,0 Prozent). Im Westen sei der Krankenstand mit 4,2 Prozent deutlich niedriger gewesen. Im Osten seien 32 Prozent mehr Ausfalltage dokumentiert worden als im Westen. Auf 100 Versicherte kamen demnach im Osten 1000 Fehltage, im Westen 758 Fehltage.

Welche Krankheit trat am häufigsten auf?

An erster Stelle stehen laut DAK Rückenleiden und andere Muskel-Skelett-Erkrankungen. Jeder fünfte Fehltag wurde damit begründet (22 Prozent). Männer waren etwas häufiger betroffen als Frauen.

Welche Patienten fielen am längsten aus?

Besonders lange, nämlich im Durchschnitt 35 Tage, fielen Berufstätige mit Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen aus. Damit übertrifft die durchschnittliche Erkrankungsdauer von psychischen Erkrankungen die von Krebserkrankungen mit durchschnittlich 32 Tagen. Der Anteil der psychischen Erkrankungen am Krankenstand erhöhte sich im ersten Halbjahr 2016 auf 16 Prozent. Im Vergleichszeitraum 2015 waren es 15 Prozent. Frauen fehlten aufgrund dieser Erkrankungen fast doppelt so häufig wie Männer. (mit dpa)

Hintergrund: Wussten Sie, dass . . .

Frauen einen um 14 Prozent höheren Krankenstand haben als Männer? Sie sind häufiger, aber nicht länger krank.

Männer wegen unfallbedingten Verletzungen 48 Prozent mehr Fehltage als Frauen haben? Ein Grund dafür ist, dass Männer andere, unfallträchtigere Tätigkeiten ausführen wie zum Beispiel in der Produktion oder auf Baustellen.

im Alter zwischen 45 und 64 Jahren fast jeder zehnte Mann an einer Herzkrankheit erkrankt?

jede elfte Frau im Jahr 2015 ein Rezept für Antidepressiva erhielt, aber nur jeder zwanzigste Mann?

sich Geschlechterunterschiede am deutlichsten bei Krebs zeigen? Das Risiko, an Krebs zu erkranken, ist für Männer und Frauen gleich. Frauen haben aber wegen dieser Krankheit 78 Prozent mehr Fehltage. Bei ihnen tritt meist Brustkrebs auf, und zwar im erwerbsfähigen Alter. Prostatakrebs dagegen trifft Männer in einem höherem Alter, meist ab 60 Jahren. 

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Rubriklistenbild: © dpa

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