Rainer Wendt von der Gewerkschaft der Polizei empfiehlt Politikern mehr Zurückhaltung

Kritik nach Künast-Tweet zu Würzburg: „Brauchen keine Klugscheißer“

Verteidigt ihren Würzburg-Tweet: Grünen-Politikerin Renate Künast will auch weiterhin Fragen zum Waffeneinsatz der Polizei stellen. Trotz der Kritik an ihrem Twitter-Kommentar nach der Axt-Attacke im Zug. Das Bild von Künast stammt aus dem Jahr 2012. Archivfoto: dpa

Nach dem Axt-Angriff in einem Zug bei Würzburg geht der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, hart mit der Grünen Renate Künast ins Gericht.

Sie hatte nach der Erschießung des Täters via Twitter gefragt, warum die Polizisten ihn nicht nur angriffsunfähig gemacht hätten.

Herr Wendt, hat sich die Polizei richtig verhalten? 

Rainer Wendt: Wenn Polizisten in der Form angegriffen werden, werden sie sich nicht auf Kung Fu einlassen. Oder versuchen, wie in schlechten Kinofilmen dem Angreifer das Messer oder die Axt aus der Hand zu schießen. Das endet dann bedauerlicherweise manchmal mit dem Tod des Täters, ist aber nicht zu ändern.

Die Grüne Renate Künast hat via Twitter gefragt, warum der Täter nicht angriffsunfähig gemacht worden sei. Was sagen Sie dazu? 

Wendt: Vielleicht sollte man Politikern grundsätzlich empfehlen, bei solchen Ereignissen 24 Stunden lang nicht zu twittern. Es ist unerträglich, wenn Politiker wie Frau Künast erklären wollen, wie ein Polizeieinsatz verlaufen muss. Der Vorgang wird nun ganz akribisch von der Staatsanwaltschaft untersucht und dann wird ein Urteil gefällt. Da brauchen wir die parlamentarischen Klugscheißer überhaupt nicht.

Die Gewalt gegen Unbeteiligte wächst. Kann man dagegen etwas tun? 

Wendt: Man wird sich nicht vor allen Gefahren schützen können. Wichtig ist, dass man in solchen Situationen die Nerven behält und möglichst schnell die Polizei informiert. Das ist das, was die betroffenen Menschen meist auch automatisch richtig machen. Wir dürfen uns aber nicht der Illusion hingeben, wir könnten vor jedes Zugabteil einen bewaffneten Sicherheitsbeamten stellen. Radikalisierte und verwirrte Einzeltäter sind ohnehin der Albtraum jedes Ermittlers.

Der Täter wird in Verbindung mit der Terrormiliz IS gebracht. Was meinen Sie? 

Wendt: Da muss man abwarten, was die weiteren Ermittlungen ergeben. Klar ist: Wir müssen in jedem Einzelfall genau hinschauen. Deshalb ist die Forderung richtig, dass man wissen muss, wer in unser Land kommt. Vom Ablauf her scheint bei dem jungen Afghanen zunächst alles korrekt gewesen zu sein - das Jugendamt hat ihn in Obhut genommen, und es wurde ein Pflegefamilie für ihn gefunden. Jetzt muss geklärt werden, ob man seine Radikalisierung hätte verhindern können.

Rainer Wendt (59) ist Polizeihauptkommissar und seit 2007 Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). Beim Deutschen Beamtenbund leitet er die Fachkommission Innere Sicherheit. Wendt stammt aus Duisburg, ist verheiratet und hat fünf Kinder.

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