Verlottertes Haus wird abgerissen

Rentner verklagte Hessen wegen Bauruine: Land lenkt nach Jahren endlich ein

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Lösung in Sicht: Wolfgang Wilbert aus Wuppertal vor dem Fachwerkhaus, dessen linke Hälfte ihm gehört und die rechte Hälfte dem Land Hessen. Das Land kündigte nun an, das verfallene Gebäude abzureißen, die Trümmerteile zu entsorgen und die Giebelwand von Wilberts Haushälfte wieder herzurichten.

Wuppertal. Wolfgang Wilbert kann endlich aufatmen. Seit Mai 2014 lebt der Wuppertaler Rentner neben einer Bauruine. Sein eigenes Haus ist einsturzgefährdet.

Im Rechtsstreit um die Sanierung seiner Haushälfte sowie der verfallenen Doppelhaushälfte nebenan hat das Land Hessen nun eingelenkt und die Berufung zurückgenommen.

Vorausgegangen ist dem ein beinahe zweieinhalb Jahre währender Streit mit dem Land Hessen und der Stadt Wuppertal. Der 69-jährige Wilbert wohnt in einer Hälfte eines Fachwerkhauses im nordrhein-westfälischen Wuppertal. Die andere Hälfte des 200 Jahre alten Gebäudes gehört dem Land Hessen.

Der Grund: Wilberts ehemaliger Nachbar war vor Jahren ins hessische Wetzlar gezogen und dort im Jahr 2011 gestorben. Seine Erben schlugen die Erbschaft aus, und so ging das Haus an das Land, in dem der Verstorbene seinen letzten Wohnsitz hatte: das Land Hessen. Das konnte diese sogenannte Fiskalerbschaft nicht ausschlagen, hatte aber auch wenig Interesse an dem Haus, das immer weiter verfiel.

Als das Gebäude, das über einen gemeinsamen Giebel mit Wilberts Haus verbunden war, im Mai 2014 einzustürzen drohte, bat der Rentner die Stadt Wuppertal um Hilfe. Die beauftragte das örtliche Technische Hilfswerk (THW), um das Dach abzureißen. Mit schwerem Gerät rückten die Helfer damals an und rissen den Giebel und gleichzeitig die halbe Wand, die die beiden Häuserhälften getrennt hatte, ein. Seither pfiff der Wind durch Wilberts Haus, und Feuchtigkeit zog in die Wände. „Das ging so weit, dass der Zucker im Küchenschrank meines Mandanten klumpig wurde und seine Wäsche schimmelte“, berichtete Wilberts Anwalt Elmar Weber gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Außerdem hinterließ das THW Schuttberge, in denen sich bald Ratten, Marder und anderes Ungeziefer tummelten.

Da weder die Stadt Wuppertal noch das Land Hessen Verantwortung für den Schaden übernehmen wollten, zog Wilbert vor Gericht. Er verklagte das Land Hessen und bekam Recht. Im Juni diesen Jahres wurde das Land dazu verurteilt, den drohenden Einsturz zu verhindern, die Schuttberge zu beseitigen und den alten Zustand der Außenwand wieder herzustellen. Dagegen legte das Land Berufung ein, die es nun aber zurücknahm.

Weber führt das auf die geringen Erfolgsaussichten der Berufung zurück. „Das Land Hessen hat wohl erkannt, dass es mehr Sinn hat, sich jetzt endlich um die Ruine zu kümmern.“ Er habe sich von Anfang an über die Berufung gewundert. Nun hofft Weber, dass Stadt und Land mit seinem Mandanten kooperieren und ihm noch vor dem Winter geholfen wird. Zwei Winter musste der 69-Jährige, der gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, schließlich schon in seinem schwer beschädigten Haus ausharren.

Doch der Jurist ist zuversichtlich: „Nach Rücknahme der Berufung haben wir neue Möglichkeiten, mit der Stadt Wuppertal und dem Land Hessen zu verhandeln, wie es jetzt weitergeht“.

Das sagt das Land Hessen:

Der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) teilte mit, dass das Land Hessen die Rücknahme der Berufung erklärt habe. Das Land sei nach einer erneuten baufachlichen Überprüfung zu der Auffassung gelangt, „dass im Sinne einer nachhaltigen Verkehrssicherung die noch vorhandene Bebauung (...) abzureißen und die Trümmerstücke zu räumen und zu entsorgen seien.“

Auch die Giebelwand des Hauses von Wolfgang Wilbert einschließlich des Dachanschlusses werde wieder hergerichtet. „Die vorbereitenden Maßnahmen sind bereits angelaufen. Wir hoffen, die Baumaßnahmen noch vor dem Wintereinbruch abschließen zu können“.

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