Sozialverband skeptisch gegenüber autonomer Mobilität

Hersteller setzen auf selbstfahrende Autos für Senioren

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Zielgruppe für Hersteller selbstfahrender Autos: Senioren sollen durch Roboterautos auch im hohen Alter mobil sein.

Millionen Autofahrer sind bereits im Rentenalter. Aber wenn die Augen schlechter werden und die Konzentration nachlässt, trauen sich viele nicht mehr hinters Steuer.

Deshalb sieht die Industrie in Senioren eine Zielgruppe für selbstfahrende Autos.

Welche Vision haben die Autohersteller?

Schon bald sollen auch gebrechliche oder behinderte Menschen zum Einkaufen, zum Arzt und zu Freunden fahren, ohne dass sie auf fremde Hilfe angewiesen sind. So selbstverständlich wie ein Rollator ihnen heute das Gehen ermöglicht, soll das Roboterauto ihnen morgen das Fahren erlauben. Daimler sieht ältere Menschen als Zielgruppe für autonome Fahrsysteme. Die könnten „ihre leider nachlassenden sensorischen Fähigkeiten im Straßenverkehr unterstützen“, erklärte Manager Ralf Guido Herrtwich. Auch Google hat Rentner für seine selbstfahrenden Autos im Blick. In einem Werbespot testen vor allem ältere Menschen einen Prototypen.

Wann könnte aus der Vision Realität werden?

Autobauer wie BMW und Mercedes wollen völlig autonom fahrende Autos schon in wenigen Jahren auf den Markt bringen. VW-Digitalchef Johann Jungwirth sagt, selbstfahrende Autos würden schon in fünf Jahren Alltag. „Damit können alle Menschen, auch Menschen ohne Führerschein, Alte, Kranke, Kinder und Blinde in den Genuss von individueller Mobilität kommen.“ Lobbygruppen in den USA appellierten schon: „Lasst uns teilhaben.“ Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) arbeitet bereits an einem Gesetzentwurf für selbstfahrende Autos.

Womit wollen die Autohersteller jetzt schon Senioren helfen?

Es gibt zahlreiche Assistenzsysteme, die den Fahrer bei Unaufmerksamkeit unterstützen sollen – sei es zum Notbremsen, zum Halten der Spur oder für eine gute Sicht bei Nacht. „Nicht nur einem 70-Jährigen würde ich raten: Kauf, was du kriegen kannst“, sagt Heiko Wolframm, Experte für Fahrerassistenzsysteme des ADAC. „Ein Notbrems-Assistent ist sinnvoller als schöne Aluräder.“

Wären selbstfahrende Autos überhaupt für alle Senioren erschwinglich?

Der Sozialverband VdK Hessen-Thüringen glaubt nicht daran. „Selbstfahrende Autos werden eher ein Thema für die Senioren sein, die sich jetzt schon Mobilität auf anderem Wege leisten können, etwa durch das Taxi“, sagt Sprecher Philipp Stielow. Für eine große Gruppe der Älteren seien günstigere Alternativen notwendiger. Vor allem sei ein gutes Nahverkehrsnetz, auch in den ländlichen Regionen, wichtig, um die Mobilität zu gewährleisten.

Sind die Deutschen denn jetzt schon dazu bereit, das Steuer ganz aus der Hand zu geben?

!Noch hat die Hälfte der Deutschen Angst davor, sich in ein selbststeuerndes Auto zu setzen. Das hat eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov ergeben. Zudem glaubt nur ein Drittel, dass die Sicherheit im Straßenverkehr durch Roboterautos steigt. Bei Unfällen mit einem selbstfahrenden Auto soll nach Ansicht von etwas weniger als der Hälfte der Befragten der Hersteller die Hauptverantwortung tragen. (mit dpa)

Hintergrund: Ältere und Anfänger gefährdet

Unfallrisiko

Ältere Menschen sind im Vergleich zu anderen Altersgruppen seltener an Unfällen mit Personenschaden beteiligt. Nach den Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes von 2014 liegt das vor allem daran, dass sie seltener auf den Straßen unterwegs sind. Im Vergleich zu den Jüngeren hätten sie seltener einen Pkw zur Verfügung und würden ihn auch seltener nutzen. Die Senioren seien allerdings schon aktiver als noch vor einigen Jahren, so die Forscher. Das mit Abstand größte Unfallrisiko im Straßenverkehr haben die 18- bis 24-Jährigen.

Hauptverursacher

Auffällig ist der Blick auf den Anteil der Hauptverursacher an allen Unfällen mit Personenschaden (siehe Grafik). Die 65- bis 75-Jährigen tragen deutlich häufiger die Hauptschuld als etwa die 45- bis 55-Jährigen. Bei denen, die über 75 sind, sind es sogar noch mehr. Sie sind aber nicht die einzige Altersgruppe, die häufiger Unfälle verursacht: Die Fahranfänger tragen ähnlich oft die Schuld.

Unfallursachen

Laut der Untersuchung des Statistischen Bundesamtes verursachen Senioren Unfälle vor allem durch Vorfahrtsfehler. Auch Fehler beim Abbiegen und Rückwärtsfahren zählen zu den häufigsten Gründen.

Bei den jüngeren Fahrern führen hingegen meistens Abstandsfehler oder nicht angepasste Geschwindigkeit zu Unfällen. Diese Ursachen spielen bei den Senioren eine deutlich geringere Rolle. Senioren würden Unfälle also eher durch altersbedingte Einschränkungen bei der Wahrnehmung statt durch leichtsinniges Verhalten verursachen, so die Statistiker.

Tödliche Unfälle

Ältere sind zwar seltener an Unfällen beteiligt als die Jüngeren ihr Risiko, an den Folgen eines Unfalls zu sterben, ist laut der Untersuchung der Statistiker aber etwa drei Mal so hoch wie bei den Jüngeren. Rund 29 Prozent aller im Jahr 2014 im Straßenverkehr getöteten Menschen waren älter als 64. (tla/dpa)

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