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Massaker im Osten des Kongo- Bürgerkrieg im Herzen Afrikas wird immer grausamer

Aufgebrachte Bevölkerung: Proteste gegen den Präsidenten der Demokratischen Republik Kongo, Joseph Kabila (kleines Foto), in Kinshasa. Foto: afp

Eines der schlimmsten Massaker der letzten Zeit hat sich im Osten des Kongo ereignet. Eine islamistische Mordbande hat mindestens 40 Menschen grausam getötet. Der zweitgrößte Staat Afrikas kommt nicht zur Ruhe.

Was ist im Ost-Kongo geschehen?

Bewaffnete Islamisten haben in einem Vorort der Stadt Beni nahe der Grenze zu Uganda Zivilisten unter anderem mit Macheten massakriert. Offizielle Stellen berichten von mindestens 40 Toten. Andere Quellen sprechen von bis zu hundert Toten, darunter Frauen und Kinder. Hunderte Menschen seien auf der Flucht. Die Regierung in der rund 2000 Kilometer westlich gelegenen Hauptstadt Kinshasa spricht von einem Racheakt der Islamisten als Antwort auf vorangegangene Einsätze der Armee.

Wie ist die Situation vor Ort? 

Den Osten der Demokratischen Republik Kongo terrorisieren Dutzende sogenannter Rebellengruppen. Es sind kleine Milizen bis hin zu größeren Organisationen. Eine davon ist die islamistische Miliz „Alliierte Demokratische Kräfte“ (ADF). Sie wurde 1995 im Nachbarstaat Uganda gegründet, treibt jedoch inzwischen fast ausschließlich im Kongo ihr Unwesen: Morde, Massenvergewaltigungen, Entführungen, Brandstiftungen und Raub. Die ADF soll im letzten halben Jahr 600 Zivilisten getötet haben. Es geht den meisten Terrorbanden, die auch Kindersoldaten einsetzen, vor allem um die Kontrolle von lokalen Gebieten und den Zugriff auf Bodenschätze und Minen. Hier gibt es unter anderem Gold- und Kobaltvorkommen. Letzteres wird auch beim Bau von Handys verwendet.

Vor welchem Hintergrund spielt sich die Gewalt ab? 

Trotz des Reichtums an Bodenschätzen ist die Bevölkerung eine der Ärmsten der Welt. Sie leidet unter den Auswirkungen von jahrzehntelanger Diktatur und Bürgerkrieg. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit sind drei Viertel der Kongolesen unterernährt, 70 Prozent der rund 65 Millionen Einwohner haben keinen Zugang zu Gesundheits- und Bildungseinrichtungen. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 46 Jahren.

Was machen die UN?

Seit zwei Jahrzehnten ist der Ost-Kongo ein Krisenherd: Milizen kämpfen hier untereinander und gegen die Regierungsarmee. Auch Teilen der Armee, darunter vielen Befehlshabern, werden Übergriffe auf die Bevölkerung und Kriegsverbrechen vorgeworfen. Die Soldaten erhalten nur unregelmäßig Sold, viele desertieren oder schließen sich den Terrorbanden an. Seit 1999 gibt es die „UN-Mission für die Stabilisierung in der Demokratischen Republik Kongo“ (Monusco).

Zwischenzeitlich betrug ihre Truppenstärke 17.000 Soldaten, die aus fast 50 Ländern kamen. Im Ost-Kongo wurde 2013 eine Monusco-Brigade, bestehend aus 3000 Soldaten, gebildet. Es gibt heftige Kritik an der UN-Mission: Sie lasse die Bevölkerung im Stich, sei völlig unzureichend ausgerüstet und die große Mehrzahl der Soldaten stamme aus Ländern, denen Demokratie und die Wahrung der Menschenrechte fremd seien.

Welche Rolle spielt die Regierung von Joseph Kabila? 

Präsident Joseph Kabila (45), seit 2001 im Amt und 2006 wiedergewählt, galt im Westen als Hoffnungsträger für eine Stabilisierung. Doch er erfüllte die Erwartungen nicht. Die Demokratische Republik Kongo ist inzwischen ein gescheiterter Staat, obwohl in der Verfassung von einem demokratischen, säkularen Rechtsstaat die Rede ist und ein Parlament sowie Oppositionsparteien existieren. Regierung und Staatsapparat sind korrupt, Menschenrechte und juristische Standards werden nicht gewahrt. Kabila befehligt in Kinshasa eine Art Privatarmee.

Im Osten hat er kaum Einfluss, die Bevölkerung wirft ihm Untätigkeit im Kampf gegen die Milizen vor. Zugleich gibt es Gerüchte, Kabila wolle sich im November erneut wählen lassen und damit eine dritte Amtszeit für sich reklamieren. Das verbietet jedoch die Verfassung. Sollte er den Plan umsetzen, könnte die Gewalt im gesamten Land eskalieren und weitere Flüchtlingsströme auslösen.

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