Bombe vor Klinik in Pakistan gezündet

IS reklamiert Anschlag mit mehr als 66 Toten für sich

Menschen versuchen nach dem Anschlag ihre Angehörigen zu identifizieren. Foto: Fayyaz Ahmed
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Menschen versuchen nach dem Anschlag ihre Angehörigen zu identifizieren. 
Blick auf eine zerstörte Fensterfront: Der Anschlag traf eine vor der Klinik versammelte Gruppe von Anwälten und Polizisten. Foto: 
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Blick auf eine zerstörte Fensterfront: Der Anschlag traf eine vor der Klinik versammelte Gruppe von Anwälten und Polizisten. 
Spuren des Anschlags vor der Klinik. Baluchistan ist eine der unsichersten Provinzen Pakistans. 
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Spuren des Anschlags vor der Klinik. Baluchistan ist eine der unsichersten Provinzen Pakistans. 
Der Anschlag traf eine vor der Klinik versammelte Gruppe von Anwälten und Polizisten.
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Der Anschlag traf eine vor der Klinik versammelte Gruppe von Anwälten und Polizisten. 
Nach dem Bombenanschlag in Quetta erhöht sich die Zahl der Todesopfer weiter. 
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Nach dem Bombenanschlag in Quetta erhöht sich die Zahl der Todesopfer weiter. 
Über 50 Menschen sterben, Dutzende werden in der Stadt Quetta verletzt. Foto: Fayyaz Ahmed
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Über 50 Menschen sterben, Dutzende werden in der Stadt Quetta verletzt.

Islamabad - Bei einem Anschlag auf eine Klinik in der pakistanischen Stadt Quetta sind mindestens 66 Menschen getötet, Dutzende verletzt worden. Der IS bekennt sich zu der Tat.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat den Selbstmordanschlag vor einer Klinik in der südwestpakistanischen Stadt Quetta für sich reklamiert. Eine IS-nahe Quelle sagte, ein IS-Kommandeur habe dazu bereits mehrere Medienhäuser kontaktiert. Eine offizielle Stellungnahme werde bald veröffentlicht. Der pakistanische Sender Geo TV hatte die Nachricht für einige Minuten auf dem Bildschirm-Ticker, löschte sie dann jedoch. Bei der gewaltigen Detonation waren am Montag 66 Menschen getötet und rund 200 verletzt worden.

Die pakistanische Regierung beharrt darauf, dass der IS keine organisierte Präsenz im Land habe. Medien melden aber immer wieder Razzien und die Festnahme von Schläfern oder Kämpfern.

2015 hatte der IS sich zu zwei großen Anschlägen bekannt. Am 13. Mai 2015 hatten Kämpfer einen Bus mit Mitgliedern der Ismaeliten-Minderheit angegriffen und mindestens 45 Menschen getötet. Am 16. August 2015 hatte ein Selbstmordattentäter im Attok-Bezirk nahe der Hauptstadt Islamabad 14 Menschen getötet, darunter den Innenminister der Provinz Punjab, Shuja Khanzada.

Zweite Terrorgruppe bekennt sich zu Klinik-Bombe in Pakistan

Nach der Terrormiliz Islamischer Staat hat eine zweite Extremistengruppe den Selbstmordanschlag vor einer Klinik in der südwestpakistanischen Stadt Quetta für sich reklamiert. Der Sprecher der Talibangruppe Jamaat ul Ahrar, Ehsanullah Ehsan, erklärte in einer E-Mail an verschiedene Medienhäuser, die Gruppe habe den Anschlag verübt. „Heute Morgen haben wir zuerst einen Angriff auf den Chef der Anwälte-Vereinigung verübt, um ihn zur Hölle zu schicken. Später, als Anwälte (vor der Klinik) protestierten, haben wir einen Selbstmordattentäter geschickt, der mehrere Anwälte und Regierungsbeamte getötet hat“, hieß es in der Stellungnahme. Die Angriffe gingen weiter, bis Pakistan ein Staat unter islamischer Scharia-Gesetzgebung sei.

Hintergrund Anschläge in Pakistan:

Mehr als 50 000 Zivilisten sind seit 2003 bei terroristischen Anschlägen in Pakistan ums Leben gekommen. Seit Juni 2014 geht die pakistanische Armee verstärkt gegen einige der Extremistengruppen im Land vor. Nach dem blutigen Anschlag pakistanischer Taliban auf eine Armeeschule im Dezember 2014 wurden diese noch einmal verschärft. Die Zahl der Anschläge und Opfer hat sich seitdem fast halbiert. Trotzdem erschüttern immer wieder große Attacken das Land. Eine Chronologie der vergangenen zwei Jahre.

  • 2. November 2014: Zwei Selbstmordattentäter töten mindestens 55 Menschen an einem Grenzposten zwischen Indien und Pakistan.
  • 16. Dezember: Pakistanische Taliban überfallen eine vom Militär betriebene Schule in Peshawar, Nordwestpakistan, und töten rund 150 Menschen, darunter mehr als 130 Kinder.
  • 30. Januar 2015: Die sunnitische Extremistengruppe Lashkar-e Jangvi attackiert eine schiitische Moschee in Shikarpur, Sindh-Provinz, und tötet etwa 60 Menschen.
  • 13. Februar: Die sunnitische Extremistengruppe Lashkar-e Jangvi greift eine schiitische Moschee in Peshawar an und tötet 20 Menschen.
  • 15. März: Zwei Talibankämpfer sprengen sich in zwei Kirchen in der ostpakistanischen Stadt Lahore in die Luft und töten 17 Menschen.
  • 13. Mai: Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) greift bei ihrem ersten großen Anschlag in Pakistan einen Bus mit Anhängern der Ismaeliten-Minderheit an und tötet mindestens 45 Menschen.
  • 16. August: Bei einem zweiten großen Anschlag des IS tötet ein Selbstmordattentäter im Attok-Bezirk nahe der Hauptstadt Islamabad 14 Menschen, darunter den Innenminister der Provinz Punjab, Shuja Khanzada.
  • 18. September: Pakistanische Taliban stürmen eine Luftwaffenbasis nahe Peshawar und töten 29 Menschen.
  • 29. Dezember: Ein Selbstmordattentäter der Taliban greift ein Regierungsbüro in Peshawar an und tötet 26 Menschen.
  • 13. Januar 2016: Taliban greifen Polizisten nahe einem Polio-Impfzentrum an und töten 15 Menschen, die meisten Polizisten.
  • 20. Januar: Taliban stürmen den Campus einer Universität nahe Peshawar und töten mehr als 20 Menschen, darunter 17 Studenten.
  • 27. März: Ein Selbstmordattentäter der Taliban sprengt sich nahe einem Spielplatz in der ostpakistanischen Stadt Lahore in die Luft und tötet 74 Menschen, darunter um die 30 Kinder.

dpa

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