Ab 2017 gibt es 8,84 Euro

Der Mindestlohn steigt: Fakten und Argumente dafür und dagegen

Der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland steigt Anfang 2017 auf 8,84 Euro. Das legte die Mindestlohnkommission von Arbeitgebern und Arbeitnehmern fest.

Heute liegt die Lohnuntergrenze bei 8,50 Euro. Was spricht eigentlich für beziehungsweise gegen einen hohen Mindestlohn?

Wir haben Argumente gesammelt:

Für einen hohen Mindestlohn spricht:  

Abstand zu Hartz IV: Wer arbeitet, sollte mehr davon haben, als jemand, der arbeiten könnte, aber Hartz IV bezieht. In München etwa bringt ein Vollzeitjob mit Mindestlohn 156 Euro weniger ein als der Staat einem Hartz-IV-Empfänger dort zubilligen würde. Auch deswegen verlangt Verdi-Chef Frank Bsirske eine starke Anhebung des Mindestlohns in Richtung zehn Euro.

Menschenwürde: Wer einen Tag lang arbeitet, der sollte davon auch leben können. Wenn das nicht geht, dann muss die Politik handeln - zum Beispiel mit einer gesetzlichen Lohnuntergrenze. Der Mindestlohn hat laut gewerkschaftsnaher Hans-Böckler-Stiftung schon fünf Millionen Beschäftigten ein Lohnplus beschert, so etwa Geringverdienern in Ostdeutschland, in Schlachtereien, bei Wachdiensten und im Garten- und Landschaftsbau.

Derzeitige Lage:  Bei derzeit niedriger Teuerung, gut laufender Konjunktur und relativ günstigen Energiepreisen führt die Verteuerung der Arbeit durch Mindestlöhne nicht zu Einbrüchen bei Güternachfrage, Dienstleistungen oder zu Jobabbau. Zwar wurden viele Minijobs gestrichen. Aber etwa die Hälfte davon wurde laut Arbeitsmarktexperten zu sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen.

Gegen einen hohen Mindestlohn spricht:

Abstand zu Tariflöhnen:  Wenn der gesetzliche Mindestlohn steigt, dann sinkt der Abstand zu den untersten Tariflöhnen. Das setzt die Arbeitgeber unter Druck, die Einstiegslöhne in ihren Betrieben zu erhöhen. Denn sonst würde der Mindestlohn immer mehr tarifvertragliche Regelungen ersetzen und überflüssig machen.

Aufbau von Hilfskräften:  Kleine und familiengeführte Betriebe, etwa im Gaststättengewerbe, sind zumindest für Übergangszeiten auf niedrigste Einstiegslöhne angewiesen - oder sie müssen aufgeben.

Preisanstiege:  Der Mindestlohn hat laut einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Dienstleistungen wie etwa Taxifahrten deutlich verteuert. Kunden mussten hier 2015 durchschnittlich 12,1 Prozent mehr bezahlen als noch im Vorjahr.

Künftige Lage:  Derzeit brummt die Wirtschaft, das wird aber nicht immer so sein. Wenn es erst auf kleinste Kostenvor- oder -nachteile ankommt, wird sich zeigen, dass die Politik sich zwar viel wünschen kann, dass in der Wirtschaft aber Angebot, Nachfrage und Markt bestimmen. Irgendwer muss den Mindestlohn bezahlen. Wenn der Kunde es nicht tut, hat die Firma ein Problem, möglicherweise ein entscheidendes.

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