Ohne Zulassung nur zuhause erlaubt

Mini-Segways: Flott - doch auf Straßen tabu

Bis zu 20 Stundenkilometer schnell: Julie (11) legt sich mit einem Self Balance Scooter in die Kurve. Auf Straßen und Gehwege dürfen die Elektro-Motörchen auf zwei Rädern eigentlich nicht, Gelenkschutz und Sturzhelm wären auch nicht verkehrt. Foto: dpa

Kassel/Göttingen. Ein Trittbrett, ein Elektromotor, die Balanceregelung, zwei Räder - und kein Griff zum Festhalten: Mini-Segways  kurven vermehrt durch Deutschland.

Meist zum Preis von 300 Euro aufwärts. Der Trend schwappt, wie so oft, aus den USA herüber.

Was Kinder und Jugendliche cool finden, macht Polizisten zuweilen noch ratlos. E-Board-Fahrer Merdijan (12) zieht seine Bahn durch die Mainzer Fußgängerzone: „Ich hatte noch nie Probleme mit der Polizei. Die hat nur komisch geguckt“, sagt er. Trotzdem werden die Maschinchen auf Gehsteigen schon mal vorübergehend einkassiert.

Kleiner Haken beim Mini-Segway-Spaß: Die E-Motörchen zwischen zwei Rädern dürfen in Deutschland in der Regel nur auf privatem Gelände gefahren werden, am besten mit Schutzkleidung wie beim Skaten. Mit ihrem Tempo von bis zu 20 Kilometern pro Stunde sind sie für Gehsteige und Fußgängerzonen zu rasant. Für Straßen haben sie keine Zulassung. Hohe Geldbußen sind allerdings noch nicht bekanntgeworden. Der Koblenzer Oberstaatsanwalt Rolf Wissen spricht von juristischem Neuland.

Das muss der Nachwuchs erst mal einsehen: Schließlich haben unter anderen Promis wie der Schauspieler Jamie Foxx und der Sänger Justin Bieber die Mini-Segways bekannt gemacht. Und bei Youtube kursieren längst Videos, auf denen gänzlich unbekümmerte Könner die E-Boards im Handstand fahren.

Straßenverkehrsrecht ist das eine, Brandschutz das andere: Der Internethändler Amazon nahm Ende 2015 in den USA etliche Boards aus dem Programm. Dort und in Großbritannien sollen ihre überhitzte Akkus in Flammen aufgegangen sein. Diverse Airlines verboten die Mitnahme von Mini-Segways im Fluggepäck. Das Computermagazin c’t monierte in einem Vergleichstest überdies, dass die zumeist in China produzierten E-Rollbretter ihre Piloten höchst unangenehm überraschten: „Nach rund 20 Minuten lockerer Herumfahrerei (oder 1200 Metern) schaltete sich unser Gerät ohne Vorwarnung ab. Fatalerweise rollen die Räder nicht einfach aus, sondern blockieren abrupt. Alle Tester (...) sind mit voller Wucht nach vorne auf den Boden geknallt.“

Von solchem Ungemach liest man zum Beispiel auf dem Vergleichsportal www.self-balance-scooter.de/ eher wenig. Auch sonst herrscht dort Unbekümmertheit vor: „Wir empfehlen, keine Kinder unter zehn Jahren mit einem Mini-Segway auf die Straße zu lassen.“ Kein Wort von Straßenzulassungspflicht, von Versicherungs- und Schadenersatzproblemen, die Motorfahrzeuge ohne Zulassung nach sich ziehen können.

Unfallforschung der Versicherer zur Segway-Sicherheit gibt es hier.

Hintergrund: 

• Große Segways (mit Stiel und Lenkstange) dürfen seit 2009 nach der Mobilitätshilfenverordnung betrieben werden - wenn vorhanden auf Radwegen. Voraussetzung ist die Berechtigung zum Führen eines Mofas (frei für Jahrgänge bis 1964) sowie ein Versicherungskennzeichen.

• Mini-Segways - auch als E-Board, Self Balance Scooter, Oxboard, Hoverboard bekannt - sind mit E-Motor und schneller als sechs Stundenkilometer als Kraftfahrzeuge einzustufen, heißt es vom Polizeipräsidium Nordhessen. Und sind damit für den Straßenverkehr zulassungspflichtig - sonst weder auf Fahrbahnen noch Gehwegen, sondern nur zuhause oder im Garten erlaubt. Diese Einschätzung bestätigt sinngemäß auch die Unfallforschung der Versicherer (UDV). (mit dpa)

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