Im bayerischen Wahlkreis

Minister Dobrindt beglückt seine Heimat

+
Ehre wem Ehre gebührt: Oberaus Bürgermeister Peter Imminger (rechts) wusste, wem er den Tunnel der geplanten Ortsumfahrung von Oberau zu verdanken hat: Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (links).

München/Berlin. Die Amtszeit von Verkehrsressort-Chef Dobrindt (CSU) zahlt sich aus - für seinen bayerischen Wahlkreis, dem er Tunnel beschert.

In einer Hinsicht ist Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) führend im Berliner Kabinett: Er hat den wohl schönsten Wahlkreis. Im südlichen Oberbayern finden sich idyllische Almwiesen, stille Seen und die zackigen Felsgrate der Zugspitze.

Allerdings wälzen sich tagtäglich Autokolonnen durch das enge Loisachtal und Garmisch-Partenkirchen. Doch dank Dobrindt soll es bis 2030 deutlich ruhiger werden. Im Bundesverkehrswegeplan sind für die Region Ortsumgehungen für mehr als eine halbe Milliarde Euro eingeplant - ein Vielfaches der für Ortsumgehungen üblichen Summen. Denn in Garmisch müssen wegen der alpinen Umgebung kilometerlange Tunnel durchs Gebirge gebohrt werden. Die Umgehung des Dorfes Oberau mit einem drei Kilometer langen Tunnel auf der B2 nördlich von Garmisch etwa soll 204 Millionen Euro kosten.

Die Durchbohrung des 1780 Meter hohen Wank mit der Ostumgehung von Garmisch ist mit 158,9 Millionen Euro veranschlagt, die westliche Umgehung schlägt mit 176 Millionen zu Buche. 540 Millionen also für drei Tunnel.

Das Wirken Dobrindts und seines Amtsvorgängers und CSU-Parteifreunds Peter Ramsauer ist hier klar erkennbar. Alle drei Projekte waren laut Verkehrsministerium im Bundesverkehrswegeplan 1992 schon einmal als vordringlich aufgeführt. Im derzeit noch gültigen Plan der rot-grünen Koalition aus dem Jahr 2003 ist das nicht so. Doch die CSU-Politiker haben die Sache nun wieder beschleunigt. Weiteren Bedarf erkennt Dobrindt auch noch beim Ausbau der B2 vom Ende der A95 bei Eschenlohe bis nach Oberau ( 108 Mio. Euro), sowie Umgehungen für weitere Orte. So könnten in Dobrindts Heimat bis 2030 etwa 800 Millionen Euro verbaut werden.

Dass es in der Region ein massives Verkehrsproblem gibt, bestreitet angesichts des Urlauberverkehrs niemand. Doch im Landtag gibt es scharfe Kritik an der Bevozugung von Dobrindts Heimatregion. Auch viele Städte litten unter hoher Verkehrsbelastung, meinen SPD und Grüne.

Zumal die Pläne zu autolastig seien, so der Grünen-Politiker Markus Ganserer. Denn für die Bahn sei im Süden Bayerns keine vergleichbare Ausbauoffensive vorgesehen weder für die Beschleunigung der internationalen Bummelzugstrecke von München über Garmisch und Mittenwald nach Innsbruck noch für die überfällige Elektrifizierung der Bahnlinien in Schwaben und im Allgäu.

Neuland beschreitet Dobrindt nicht: Sein Vorgänger Wolfgang Tiefensee (SPD/ 2005 - 2009) sorgte einst für die Realisierung des City-Tunnels in Leipzig. Dort war er zuvor Oberbürgermeister. (dpa) 

Schlagworte zu diesem Artikel

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.