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Nach Lötzsch-Äußerungen: Heute noch Kommunist sein? - ein Pro und Kontra

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Kann man heute noch ernsthaft und ernst zu nehmend Kommunist sein? Über diese Frage streiten die Linken. Stellvertretend für beide Positionen stehen Gregor Gysi, der Nein sagt, und Gesine Lötzsch, die den Kommunismus offenbar zumindest als Fernziel vertretbar findet. Dazu ein Pro und Kontra.

Pro: Die Gedanken sind frei

Niemand darf das Leid relativieren, das Millionen Menschen im Namen des Kommunismus zugefügt wurde. Kaum jemand will eine neue Mauer oder einen Staatssozialismus der alten DDR. Auch Gesine Lötzsch nicht. Doch ihr Fehler bestand lediglich darin, den Begriff Kommunismus völlig unreflektiert in die Debatte eingebracht zu haben. Denn die Kernidee, die dahintersteckt, ist auch heute noch zumindest bedenkenswert. Es ist die Idee einer klassenlosen Gesellschaft, die Idee der Gleichheit und Freiheit für jedermann, einfach der Wunsch nach einer gerechteren Welt.

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Diese Vision ist in Zeiten des ausufernden Kapitalismus und der Globalisierung mit all ihren Schrecken in vielen Menschen vorhanden. Denn nicht die Theorie ist falsch, sondern das, was daraus gemacht wurde. Natürlich ist die freiheitliche Demokratie die beste Staatsform.

Aber ein Nachdenken darüber, wie innerhalb des demokratischen Systems mehr Gerechtigkeit geschaffen werden kann, muss erlaubt sein. An diesem Wochenende wurde der ermordeten Kommunistenführerin Rosa Luxemburg gedacht. Ihr wohl berühmtester Satz lautet: „Freiheit ist stets auch die Freiheit des Andersdenkenden“. Diese Freiheit muss ein demokratischer Rechtsstaat ertragen könne.

Von Peter Klebe

Kontra: Das ist zynisch, ignorant

Es erfordert schon eine ganz besondere Mischung von Ignoranz und Zynismus, den Kommunismus auch heute noch als wünschenswert zu bezeichnen – trotz seines umfassenden historischen Versagens und der monströsen Verbrechen, die in seinem Namen begangen wurden und immer noch werden.

Die Verblendung, die hier zu Tage tritt, erinnert an Unbelehrbare der Nachkriegszeit, die ihre Rechtfertigung der zwölf Nazi-Jahre stets so unterfütterten: Aber die Autobahnen, die waren gut. Nun sind Faschismus und Kommunismus nicht dasselbe. Wie die Debatte zeigt, sind aber auch Linke und Linke nicht dasselbe. Betrachtet man die bislang verkorkste Amtszeit der beiden Linken-Chefs Klaus Ernst und Gesine Lötzsch, so passt ins Bild, dass Lötzsch die Programmdebatte ihrer Partei sehr wahrscheinlich nur aus Tollpatschigkeit losgetreten hat.

Immerhin mal etwas anderes als die Porsche-, Wein- und Vielflieger-Nummern von Klaus Ernst. Bricht nun auseinander, was nicht zusammengehört? Während Lötzsch eher Beifall von den sektiererischen Polit-Clowns ihrer Partei im Westen erhoffen kann, fragen sich pragmatische Ost-Linke wie der thüringische Fraktionschef Bodo Ramelow, in was für einer Partei sie eigentlich sind. Zu Recht.

Von Tibor Pésza

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