Ab Februar Einsatz in der Region geplant

Doppelstock-IC wackelt: DB und Bombardier wollen das Schunkeln abstellen

Unten Plätze, oben auch: Der Intercity 2 im Hauptbahnhof in Magdeburg. Die Deutsche Bahn erneuert ihre Fernzugflotte und bringt schrittweise doppelstöckige IC-Züge auf die Schienen. Langfristig sollen 120 davon eingesetzt werden. Foto: dpa

Kassel/Hannover. Auf solche Schlagzeilen hätte die Deutsche Bahn zum Start ihres Hoffnungsträgers lieber verzichtet. Und ob der neue Doppelstock-IC Spitznamen wie Wackeldackel oder Schunkelmonster je wieder loswird, ist offen.

Wie manches bei der Bahn, rollten die Doppeldecker-IC 2 für den Fernverkehr Jahre später an als geplant. Zum Fahrplanwechsel im Dezember kaum losgefahren, gab’s für den neuen Zug schon den Rückruf zur Werkstatt. Der Grund: Reisende, die die schicken Doppeldecker des Görlitzer Bombardier-Werks von Norddeich über Hannover nach Leipzig auf Plätzen im Obergeschoss einweihten, schwankten hin und her. Mitsamt dem ganzen Waggon: „Wie auf hoher See“, beschrieben Reisende die Fahrt. Andere fühlten sich geschunkelt, einigen wurde übel.

DB: „Trotzdem sicher“

Dass Züge sich leicht um ihre Längsachse bewegen, ist ganz normal, heißt es bei der DB. Und dass die Ausschläge Richtung Obergeschoss stärker werden, folgt einfach Gesetzen der Physik. Der IC 2 sei technisch abgenommen, das Schwanken merke nicht jeder, falls doch, sei der Zug trotzdem sicher, beteuerte eine DB-Sprecherin auf Anfrage. Sie räumte ein: „Es wankt über das bekannte Maß hinaus, aber nie länger als eine Minute am Stück.“ Und nur selten: Ins Schunkeln kämmen die IC 2, die für Tempo 160 gut sind, auf kurzen Abschnitten zwischen Halle und Leipzig, Köthen und Magdeburg, Hannover und Bremen.

Ob Hersteller Bombardier und die DB den Waggons das Hin und Her bis Mitte Februar abgewöhnen, ist auch für unsere Region interessant. Dann sollen laut DB erste Doppelstock-IC auch auf der Mitte-Deutschland-Verbindung von Düsseldorf über Kassel-Wilhelmshöhe bis Jena und Halle fahren. Abhilfe sei in Arbeit, heißt es aus der Berliner Konzernzentrale. Details bleiben noch unter Verschluss. Ruhigere Fahrt werde wohl irgendwo aus einem verbesserten Zusammenspiel zwischen Radlaufflächen, Dämpfung und Federung kommen.

Vielleicht auch nicht, raunt es durch Internet-Foren von Eisenbahn-Fans: Wurden schwankanfälligere Drehgestelle der Waggons aus Spargründen in Kauf genommen? Warum fiel die Schaukelei nicht schon bei Testfahrten auf? Lieber unten sitzen, weil’s dort ruhiger rollt?

Doppelstöckig wird in Görlitz schon seit Jahrzehnten gebaut. Aus der Fahrzeug-Serie Twindexx wurde für die Schweizer SBB sogar ein Doppelstock-Express aufgelegt, der bis zu 200 Stundenkilometer schnell sein soll. 59 Züge hat die Schweiz bestellt, drei gibt es gratis drauf, weil sich auch dort der Start um Jahre verschob – auf 2017.

„Sie werden gerne mit dem neuen Zug fahren“, versprach DB-Manager Karsten Kemeter 2015. Schon die IC2-Schunkelvideos bei Youtube sind sehenswert.

Schlagworte zu diesem Artikel

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.