Lust auf das persönliche Kotelett

Nicht nur Autos: In Niedersachsen können Nutztiere geleast werden

Züchtet in der Freizeit Galloways zum Leasen: Alexander Roclawski mit Gallowayrindern in Mardorf (Region Hannover). Der Landwirt Helmut Eremisch aus Kirchlinteln (Kreis Verden/kleines Bild) bietet Ziegen, Schweine und Enten zum Leasing an und vermarktet Fleisch im Hofladen. Fotos: dpa

Hannover. Ob Zicklein, Lamm, Ferkel oder Kalb: Nutztiere kann man mieten. Wer das tut, will wissen, wo das Fleisch herkommt. Denn: Am Ende landen die meisten Miet-Tiere auf dem Teller. Noch ist das Geschäft mit den Miet-Tieren eine Nische für Landwirte.

Für artgerechte Tierhaltung gibt es Siegel oder Auszeichnungen - man kann sich aber auch einfach ein eigenes Tier mieten und sich selbst ein Bild von der Aufzucht machen. In Niedersachsen und Bremen bieten einige Höfe Nutztierleasing an und schaffen damit ein Angebot für alle, die sich bewusster mit ihren Nahrungsmitteln auseinandersetzten wollen.

„Eigentlich ist das eine ganz alte Geschichte", sagt Landwirt Helmut Ermisch aus Kirchlinteln (Kreis Verden). „Früher haben sich die Nachbarn zusammengetan und eine Sau ‘fettgemacht’.“

Heute ist es anders: Ermisch begann vor vier Jahren mit dem Schweineleasing, er züchtet die schwarz gefleckten Bunten Bentheimer Schweine. Sie leben bei ihm im Stall und auf der Wiese.

Neuerdings können Interessenten bei Familie Ermisch auch Deutsche Edelziegen leasen. Anders als bei den Schweinen können die Kunden entscheiden, ob ihre Ziege nach acht bis zehn Monaten „in die Wurst“ soll oder als Mutter- und Milchziege weiterlebt.

Auch wenn einige Landwirte Miet-Tiere anbieten: Nutztierleasing ist nach Ansicht des Niedersächsischen Landvolks für das Gros der Betriebe keine Option. „Voraussetzung ist eine Direktvermarktung“, sagt Landvolkvertreter Markus Kappmeyer. „Das ist ein Nischending, was aber wächst“, meint Bioland-Sprecher Gerald Wehde.

Seine Nische gefunden hat auch Alexander Roclawski. Der 25-Jährige setzt das Leasing- und Sharingmodell am Steinhuder Meer seit 2015 mit Galloways um. Eigentlich ist Roclawski bei einer Bank angestellt. Nach der Arbeit steigt er in die Gummistiefel und geht auf die Weide. Viele Kunden nehmen ein Viertel Rind. „Da muss man ja auch erstmal die Kühltruhe für haben.“

Ihre Kunden seien meistens Familien oder Paare, die sich ein Schwein teilen, sagt Kathrin Ollendorf. Auf ihrem „Hutewaldhof“ in Dannenberg (Kreis Lüneburg) züchtet die Agrarökonomin Angler Sattelschweine.

Bei einigen ändere sich durch das Leasing das Verhältnis zum Fleischessen. „Ihnen wird bewusst, dass ein Tier für sie stirbt. Kindern macht das häufig nicht so viel aus, die sagen schon mal, sie freuen sich auf die Bratwurst.“

Hintergrund: Wie least man ein Nutztier?

Eigentlich ist es ganz einfach: Interessenten kommen auf den Bauernhof und suchen sich „ihr“ Jungtier aus. Der Landwirt zieht das Kleine gegen ein Kost- und Logisgeld groß. Die Kunden können das artgerechte Aufwachsen des Tiers verfolgen. Und bekommen am Ende das nach individuellen Geschmackswünschen zusammengestellte Fleisch- und Wurstpaket. (dpa)

Informationen: 

www.hutewaldhof.de

www.entenhoff.de

www.galloway-leasing.de

www.hofgrossbanratz.de

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