Niedersachsen setzt deutlich mehr Tiere bei Tierversuchen ein

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In einem Labor wird eine Labormaus für einen Versuch vorbereitet.

Tierversuche sind umstritten. In Niedersachsen sind im vergangenen Jahr deutlich mehr Tiere zu Forschungszwecken eingesetzt worden als 2014. Woran liegt das?

Hannover. Die Zahl der Tierversuche ist in Niedersachsen im vergangenen Jahr um fast ein Drittel gestiegen. 2015 wurden über 100.000 Tiere mehr für wissenschaftliche Zwecke eingesetzt als noch im Jahr davor. Insgesamt waren es 338.747 Tiere, teilte das zuständige Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit auf Anfrage mit.

Als Grund nannte die Behörde das Vorgehen bei Versuchsanträgen. Häufig würden Versuche direkt für die maximal mögliche Zeit von fünf Jahren beantragt, in der Statistik tauchten die Zahlen dann gebündelt im ersten Jahr der Antragsstellung auf.

Am häufigsten kamen bei den Versuchen Mäuse zum Einsatz, knapp 300 000 waren es im vergangenen Jahr. Mit großem Abstand folgten Ratten (17.592) und Meerschweinchen (1676). Auch an Hunden (1412) und Katzen (246) wurden Versuche durchgeführt.

Die stellvertretende Vorsitzende des Vereins Ärzte gegen Tierversuche, Tierärztin Corina Gericke, bezeichnete den Anstieg als "extrem erschreckend". "Der Hauptgrund für die starke Zunahme ist in der wachsenden Zahl der Gentechnik-Versuche zu sehen, bei denen besonders viele Tiere leiden müssen", sagte sie.

Besonders Mäuse würden dabei benutzt, weil sie einfach zu handhaben und bereits nach sechs Wochen ausgewachsen seien. "Das hat praktische Gründe und ist nicht darauf zurückzuführen, dass Mäuse dem Menschen so ähnlich sind - wie oft als Rechtfertigung behauptet wird", sagte Gericke.

In Niedersachsen gibt es etwa 35 Versuchseinrichtungen. Dabei handelt es sich entweder um wissenschaftliche Einrichtungen wie Unis oder Forschungsinstitute oder um auftragsforschende Institutionen sowie Hersteller von Arzneimitteln.

Für intensivere Eingriffe müssen die Forscher bei der zuständigen Landesbehörde eine Genehmigung einholen. Im vergangenen Jahr waren insgesamt 327 Versuche genehmigungspflichtig. Eine Kommission berät die Behörde, ob der Versuch erlaubt werden soll. In dieser Kommission sind auch Vertreter von Tierschutzorganisationen.

Bundesweit lag Niedersachsen 2014 mit der Zahl seiner Versuche auf Platz sechs, hieß es vom Verein Ärzte gegen Tierversuche. Auf Platz eins war Baden-Württemberg mit knapp 470.000 Versuchen.

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