Interner Bericht für RP

Öfter mal Stillstand: K+S sieht Entsorgungsprobleme

+
Einleitstelle für Salzabwasser an der Werra nahe dem K+S-Standort Hattorf. Was nicht in den Fluss darf, geht durch Bohrlöcher in die Tiefe.

Kassel. Anfang April lag die K+S-Produktion im Werrarevier ein paar Tage still, seit 5. Mai gibt es an den Standorten Hattorf und Unterbreizbach erneut Kurzarbeit.

Das könnte mehr werden – in einem internen Bericht des Kalikonzerns an das Regierungspräsidium Kassel spricht K+S davon, dass künftig von März bis Dezember immer wieder mit Stillstand zu rechnen sei. Auch länger. Grund laut diesem 25-Seiten-Papier: wachsende Entsorgungsprobleme. Abwässer des Werks Werra gehen seit Generationen jährlich zu Millionen Tonnen erstens in den Fluss Werra, zweitens durch Bohrlöcher in tiefe poröse Gesteinsschichten. Diesen zweiten Entsorgungsweg, die besonders umstrittene Versenkung, deren Beendigung von der Politik seit Jahren angekündigt wird (aktuell für 2021), hat das RP Ende 2015 zum großen Teil dichtgemacht. Bis Ende 2016 dürfen nur 725 000 Kubikmeter Abwässer aus den Werken Wintershall und Hattorf in tiefe Schichten unter der Werra gepresst werden. Nur noch durch Bohrungen am Standort Hattorf, streng kontrolliert und jederzeit widerrufbar. Beantragt hatte K+S gut die fünffache Menge.

Der Grund für den Tritt auf die Notbremse: Unabwägbare Risiken für Grund- und Trinkwasser. Ein aufwendiges K+S-Computermodell, das Abwasserströme im Grundwasserleiter Buntsandstein der Werraregion kontrollieren und vorhersagen soll, hatte Ende 2015 nach Jahren der Entwicklung immer noch zu große Mängel. Verkürzt gesagt stimmt das, was der Computer zum zurücksteigenden Salzabwasser berechnet, nicht mit dem überein, was Kontrollbohrungen real messen.

Das Problem für K+S: Die alte Entsorgung auf zwei Gleisen hängt stark vom Regen ab. Fällt viel Wasser vom Himmel, darf viel Abwasser in den gut gefüllten Fluss. Wenn nicht, dann wird die Versenkung angeworfen.

Daran ändert im Prinzip auch nichts, dass die Abwässer seit 2006 laut K+S auf sieben Mio. Tonnen jährlich halbiert wurden. Wenn der RP den Versenkhahn nicht wieder deutlich aufdrehe, könnte die alte Entsorgung in feuchten Jahren ab September nicht mehr funktionieren, warnt der Konzern. In mittleren Jahren ab Juli, in trockenen sogar ab Mai nicht mehr.

„Derartiger Schriftverkehr ist für internen Behörden- und Gerichtsgebrauch bestimmt“, hieß es gestern von K+S. Vom RP gab es keine Stellungnahme. Die Werra-Weser-Anrainerkonferenz bezweifelt die K+S-Argumentation: Weltweit werde die Kaliproduktion heruntergefahren, weil Absatz und Preise im Keller seien. Engpässe an der Werra seien durch die falsche Entsorgungspolitik hausgemacht.

Lesen Sie dazu auch:

K+S will nun auch in Australien Salz gewinnen

Salzpipeline: K+S setzt Vorarbeiten für die Leitung fort

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.