Internetauftritt verliert an Bedeutung

Parteien setzen im Wahlkampf auf Facebook

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Hannover. Wenige Tage vor der Landtagswahl am 20. Januar können die Linken in Niedersachsen einen Spitzenplatz für sich beanspruchen: Die Partei ist im Wahlkampf diejenige mit den meisten Unterstützern auf Facebook.

Etwa 3300 Nutzern des Sozialen Netzwerks gefällt die Seite, SPD und CDU folgen mit einigem Abstand. Viel stärker als noch bei der Landtagswahl 2008 nutzen durchweg alle Parteien das Internet - und profitieren dabei von der großen Reichweite von Facebook, dem Kurznachrichtendienst Twitter oder dem Videoportal Youtube.

Auch die HNA befragt die Landtagskandidaten regelmäßig per Facebook:

HNA Northeim/Uslar

HNA Hann. Münden

Die Bedeutung der klassischen Internetauftritte der Parteien schrumpft hingegen. "Angebote auf unseren Internetseiten werden eher zurückhaltend angenommen", erläutert etwa der Geschäftsführer Neue Medien des SPD-Landesverbandes Niedersachsen, Christoph Matterne. "Werden sie aber in den Sozialen Netzwerken platziert, finden diese wesentlich schneller ihre Adressaten." Auch die CDU setzt vermehrt auf eine starke Facebook-Präsenz. "Wir erreichen über die Sozialen Netzwerke am meisten Leute, unsere Homepage spielt deswegen eine untergeordnete Rolle", sagt CDU-Sprecher Torben Stephan.

Der Vorteil der Sozialen Netzwerke liegt für viele Wähler in dem direkten und einfachen Zugang, erklärt der Medienwissenschaftler Helmut Scherer. "Als Nutzer auf eine Internetseite zu kommen, erfordert eine gewisse Anstrengung. Aber Facebook und Twitter folgt man meist eh." Der Professor des Instituts für Journalistik und Kommunikationsforschung Hannover hält den Online-Wahlkampf für unverzichtbar. "Jede Partei braucht einen professionellen Auftritt, ohne ihn sind sie nicht mehr zeitgemäß."

Doch auch wenn die Bedeutung von Online-Kampagnen zugenommen hat - entscheidend ist laut Scherer immer noch die Werbung im Fernsehen, auf Plakaten und im Radio. "Die konventionellen Medien sind weiterhin der wichtigste Werbeträger", sagt er.

Der Bremer Politikwissenschaftler Lothar Probst sieht sogar einen gegenläufigen Trend im Wahlkampf: weniger Netz, mehr direkter Kontakt. "Es gibt eine Zurückverlagerung von Wahlkampfaktivitäten in Fußgängerzonen, an Haustüren und in die Briefkästen", sagt Probst. Generell stellt er eine geringe Bereitschaft der Wähler fest, sich im Internet über Parteien und Programme zu informieren.

Bei Landtagswahlen wie in Niedersachsen sei ein umfassender Wahlkampf im Netz auch schlicht zu teuer. "Man muss erhebliche finanzielle Ressourcen in eine gute Internetkampagne stecken. Auf Landesebene haben die wenigsten Parteien dafür genug Geld", meint Probst. (dpa)

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