Peinliche Aussage Beckenbauers zu Arbeitsbedingungen in Katar

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Franz Beckenbauer

Oliver Welke, Moderator des satirischen Wochenrückblicks „heute-Show“, hat es kürzlich so ausgedrückt: Franz Beckenbauer sei „der einzige Deutsche, der wirklich jeden Dünnschiss labern darf“. Zuvor spielte Welke jenen Ausschnitt ein, der nun die Runde macht.

Beckenbauer nimmt dabei vor mehreren Mikrofonen Stellung zu den Arbeitsbedingungen in Katar, die von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International angeprangert worden sind. Der Mann, der nach seinen Erfolgen im Fußball auch Kaiser genannt wird, sagt: „Also, ich hab noch keinen einzigen Sklaven in Katar gesehen. Die laufen alle frei rum.“ Die Menschen dort seien weder in Ketten gefesselt noch hätten sie irgendwelche Büßerkappen am Kopf. Beckenbauer schließt mit der Bemerkung, die in Richtung Katar-Kritiker zielt: „Vom arabischen Raum habe ich mir ein anderes Bild gemacht, und ich glaube, mein Bild ist realistischer.“

Beckenbauer erklärte das am 4. November, es war keine Satire, er meinte es ernst – und er sorgte mal wieder für einen echten Beckenbauer. Der 68-Jährige redet nach dem Prinzip, nach dem der FC Bayern funktioniert – der Verein, bei dem er Ehrenvorsitzender ist: Mia san mia. I bin i.

Kürzlich verlangte Beckenbauer für Bayern-Präsident Uli Hoeneß eine zweite Chance, nachdem die Anklage der Staatsanwaltschaft in dessen Steuer-Affäre zugelassen wurde: „Ich denke, wir sollten niemanden verurteilen, der mal einen Fehler gemacht hat. Selbst die katholische Kirche gewährt eine zweite Chance.“

Beckenbauer bleibt ein Phänomen im Welke’schen Sinne: Er darf wirklich reden, was er will – eine Welle der Empörung ziehen seine Aussagen nie nach sich. Gegenrede von Amnesty International, aber sonst? Ist halt Beckenbauer, Träger des Großen Verdienstordens am Bande der Bundesrepublik Deutschland.

Mit seinem jüngsten Zitat spielt Beckenbauer nun in einer Liga mit Berti Vogts, seinem einstigen Kollegen in der Nationalmannschaft und seinem Nachfolger als Bundestrainer. Während der Weltmeisterschaft 1978 bezeichnete Vogts das von einer Militärdiktatur regierte Gastgeberland Argentinien als „Land, in dem Ordnung herrscht. Ich habe keinen einzigen politischen Gefangenen gesehen“. Nun also keine Sklaven in Katar? Oder ist alles nur ein Trugschluss? Da es einige Menschen gibt, die Beckenbauer noch nie wahrhaftig gesehen haben, ist laut Beckenbauer-Logik nicht ausgeschlossen, dass es ihn gar nicht gibt. Ist er womöglich nur eine Erfindung?

Von Florian Hagemann

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