Pressestimmen zum Militärputsch in der Türkei

Nach dem Militärputsch in der Türkei haben wir internationale Pressestimmen und Einschätzungen zum Thema gesammelt.

Tages-Anzeiger, Zürich:  „Der Putsch kommt überraschend. Seitdem die islamisch-konservative AKP im Jahr 2002 in der Türkei an die Macht kam, hatte die von Erdogan gegründete Partei damit begonnen, den Einfluss des Militärs zurückzudrängen. Das Militär hatte immer Vorbehalte gegen Erdogan und seine neuen Frommen, die an die Macht strebten. Die Streitkräfte verteidigen das säkulare Fundament des Landes, das Republikgründer Atatürk der Türkei vermacht hat. (...)

Lange Zeit schien es so, dass Erdogan den Machtkampf gegen das Militär für sich entschieden hatte (...) Vor einigen Wochen sah es sogar noch so aus, als wolle er wieder einen Schritt auf die Armee zugehen, gab ihr Befugnisse zurück. Wie es aussieht, hat Erdogan sein Militär falsch eingeschätzt.“

Washington Post, USA: „Erdogan hat einen Putsch schon lange befürchtet. Nun haben sich seine Warnungen bestätigt. In der Türkei herrscht nun unzweifelhaft Chaos. Die Frage ist, wie es weitergeht.“

Wall Street Journal, USA: „Der Putschversuch dürfte eine anhaltende Phase der Instabilität bei einem wichtigen Verbündeten der USA einleiten. Damit gerät eines der internationalen Schlüsselziele in Gefahr: der Kampf gegen die Terrormiliz ‘Islamischer Staat’ (IS). Washington steht vor zwei düsteren Perspektiven. Sollte der Militärputsch erfolgreich sein, drohen Unruhen. Wenn Erdogan sich an der Macht hält, ist zu befürchten, dass er zunehmend paranoid und autoritär regiert.“

The Guardian, Großbritannien: „Der Putschversuch droht die Lage in der Türkei gefährlich zu destabilisieren, in einem Land, das ein enger Verbündeter des Westens ist und bereits unter Krieg, Terror und Masseneinwanderung leidet. Das könnte auch den Kampf gegen den IS schwächen.“

Frankfurter Allgemeine: „Auch wenn die Unzufriedenheit bei einer Hälfte der türkischen Bevölkerung über den autoritären Führungsstil und die Einschränkung der Freiheiten groß war und es weiter ist, wollte kaum jemand, dass deswegen die Panzer rollen. Wer immer diesen etwas dilettantisch wirkenden Putschversuch geplant hat: Er hat die entschlossene Weigerung der Türken unterschätzt, sich noch einmal der Herrschaft des Militärs zu unterwerfen.“

Sueddeutsche: „Was in der Nacht zum Samstag in der Hauptstadt Ankara und am Bosporus geschehen ist, war zunächst noch ziemlich unübersichtlich, aber die Bilder der Nacht überstiegen bereits das bislang Vorstellbare. Premierminister Binali Yildirim sprach offen vom „Versuch“ eines Putsches und drohte damit, die Hintermänner dieser Aktion würden „den höchsten Preis bezahlen“. Das klingt nach Todesstrafe, ob mit oder ohne Prozess. Klar ist, die Türkei versinkt in Anarchie.“

Rubriklistenbild: © AFP

Schlagworte zu diesem Artikel

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.