Protest gegen neuen Sexualkundeunterricht in Hessen

Alexander Lorz

Wiesbaden. Der Sexualkundeunterricht in Hessen soll sich künftig auch mit sexueller Orientierung beschäftigen. Die Reform ist zwar schon in Kraft, aber jetzt formiert sich Widerstand.

In Hessen machen die Gegner der reformierten Sexualerziehung mobil. „Die Landesregierung vergreift sich an unseren Kindern“, heißt es im Internet bei der AfD. Und auf der Homepage des Christlichen Forums schreibt der katholische Publizist Mathias von Gersdorf: „Viele fragen sich: Wie kann ein CDU-Kultusminister einen Gender-Lehrplan in Kraft setzen, der sich hundertprozentig nach den ideologischen Vorgaben der Grünen richtet?“ Zum 30. Oktober ruft das Aktionsbündnis für Ehe und Familie „Demo für Alle“ nach Wiesbaden zur Kundgebung. Das Motto: „Elternrecht achten - Indoktrinierende Sexualerziehung stoppen!“

Dabei ging die Neuausrichtung der Sexualerziehung in Hessen bislang erstaunlich glatt von der Bühne. In dem bereits gültigen neuen Lehrplan wird erstmals die „Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intersexuellen Menschen“ zu einem Ziel des Sexualkundeunterrichts an den Schulen erklärt. Womit weder die evangelische Kirche noch der Landeschülerbeirat ein Problem haben. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hatte in einem Beteiligungsverfahren um Stellungnahmen gebeten. Dort gab es aber auch Kritik. Die Mehrheit des Landeselternbeirats hatte gegen die Reform gestimmt.

Der Vorsitzende Reiner Pilz sagte unserer Zeitung, das Gremium habe sich vor allem an der Forderung gestoßen, dass verschiedenen Lebensformen und Geschlechtern Akzeptanz entgegengebracht werden müsse. Die Mehrheit der Elternvertreter halten den Begriff der Toleranz für geeigneter. Die Forderung nach Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- oder intersexuellen Menschen gehe den Elternvertretern zu weit. Andererseits verwahrt sich Pilz gegen eine Hysterisierung der Debatte gemäß dem Vorwurf: Unsere Kinder werden durch diesen Lehrplan sexualisiert.

Nach Informationen der „Welt“ hatten auch die katholischen Bischöfe in einer Stellungnahme zu Bedenken gegeben, dass es nicht altersgerecht sei, wenn sich schon Zehn- oder Zwölfjährige mit Hetero-, Homo-, Bi- und Transsexualität beschäftigen sollen. Mangels eigener Erfahrungen könne das die Kinder verunsichern, statt sie aufzuklären: „Der Lehrplan von 2007 sprach von Respekt und Toleranz gegenüber unterschiedlichen sexuellen Lebensstilen, was uns angemessener erscheint“.

Lorz war jedoch von der Reform überzeugt und setzte sie per Ministerentscheid in Kraft. Ministeriumssprecher Stefan Löwer sagte unserer Zeitung, die Überarbeitung trage gesellschaftlichen und rechtlichen Veränderungen Rechnung. Nach wie vor spiele das elterliche Recht auf Erziehung, die grundlegende Bedeutung von Ehe und Familie sowie das Persönlichkeitsrecht des Kindes eine zentrale Rolle im Lehrplan für Sexualerziehung.

Hintergrund

Unterstützung beim Coming Out

Seit diesem Schuljahr gilt für die allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in Hessen ein neuer Sexualkundelehrplan. Für die fächerübergreifende Bearbeitung des Themas sieht er unter anderem vor:

• Für die Altersgruppe der 6-bis 10-Jährigen: Ich sage Nein - Prävention sexuellen Missbrauchs;

• Für die Altersgruppe der 10-bis 12-Jährigen: Unterschiedliche sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identitäten (Hetero-, Bi-, Homo- und Transsexualität);

• Für die Altersgruppe der 13 bis 15-Jährigen sowie 16- bis 19-Jährigen: Aufklärung über sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität, ggf. Unterstützung der Schülerinnen und Schüler beim Coming Out. 

• Den sechsseitigen Lehrplan finden Sie im Internet unter zu.hna.de/lehrplan2809

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